MÄNNLEIN & WEIBLEIN

Freitag 21. August 2026

Getrennt.

Die Wiener Presse brachte es schon, gestern stand ein ausführlicher Bericht dazu in unserer „Dolomiten“. Seit seligen Kaisers Zeiten baden in Triest im städtischen Strandbad La Laterna, genannt „Pidocìn“ („kleiner Floh“), Männlein und Weiblein getrennt. Eine 74 m lange, hohe Mauer trennt die Badenden. Das Tolle daran ist: die Trennung findet immer mehr Zuspruch, vor allem bei den Frauen.

Im heutigen Sommer hat die Stadt Triest bereits hunderttausend Eintrittskarten (zu 1,20€) verkauft. „Schrullig“ nennt das die „Dolomiten“. Ich sage: Trendy, zukunftsweisend.

Es gibt da noch einen anderen, von weit weniger Massen und nur selten (halb-) Nackten besuchten, dafür aber umso wichtigeren Bereich, in dem ich so eine Trennung nach Geschlechtern arg vermisse. Obwohl die Trennung von alters her üblich und ist und eigentlich zum guten Ton gehörte. Und das ist die Sitzordnung in der Kirche, der Katholischen versteht sich.

Zeitlos schön, das Meisterwerk von Schnatterpeck (c) dege)

Vormals hieß es: Weiblein links vom Gang, Männlein rechts vom Gang. In unserer altehrwürdigen, gotischen Schnatterpeck-Kirche wird diese Ordnung noch weitestgehend eingehalten. Leider meinen einige Damen, sie müssten sich unbedingt auf der Herrenseite in die Betbänke zwängen. Zu ihrer halben Entschuldigung sei angemerkt, dass meist der Gatte dabei ist. Nun ist dieses gotische Bankwerk sehr eng. So kommt es, dass anderer Mann plötzlich ein weibliches Hinterteil grad vor der Nase hat, und in ihr ein süßes Parfum obendrein, wenn der Teufel lustig ist. Wenn dann die Dame vor einem sich mit dem Niederknien schwer tut und sich halb sitzend zurücklehnt, während alle anderen am vorderen Rand der Bank knien, dann muss die Nase aufpassen, nicht in einer geföhnten Frisur hängen zu bleiben.

Es bedarf wohl keiner weiteren Erklärung, in welche Richtung die Andacht ab diesem Moment geht. Man zählt zur Ablenkung die Perlen an der Halskette statt die auf dem Rosenkranz, aber es geht die Fahrt eben nicht mehr ins Überirdische.

Früher war mehr Pidocìn. Gerne wieder.


Das Titelbild ist von Micol Brusaferro.

 

So brachte OE24 den Bericht

https://www.oe24.at/a/dieses-strandbad-lockt-ueber-100000-besucher-an-900108192

Zitat 1

Frauen hier, Männer dort: Im historischen Strandbad „Pedocìn“ in Triest wird bis heute strikt getrennt gebadet. Die ungewöhnliche Tradition hält die Besucher nicht fern – im Gegenteil: In nur drei Monaten kamen mehr als 100.000 Menschen.

Zitat 2

Besonders beliebt ist das Bad bei Frauen. Allein im Juli wurden laut der Zeitung „Il Piccolo“ 53.610 Tickets für Frauen verkauft. Zum Vergleich: Im Juli 2025 waren es 34.885, im Juli 2024 rund 40.160.