Ein Staatsfeiertag, der ein Staats-Feigenblatt ist.
Italien feiert am 25. April die Befreiung von Faschismus und Deutschen-Besetzung im Frühjahr 1945. Mit einer Rhetorik, die wie das berühmte Feigenblatt der Statuen die Scham zudeckt statt die anatomische Beschaffenheit des Körpers zu zeigen. Derweil drohen neue Gefahren durch eine Politik in Krawatte und Hosenkostüm.
Wie einfach Italien in den Faschismus rutschte
Eines Tages fällt dir ein, so richtig auf den Putz zu hauen. Knüppelst Leute nieder. Heilst dem Führer zu, der dich nach Afrika schickt, Neger töten und Land stehlen, der dich nach Griechenland und Spanien schickt, um Bomben auf Republikaner zu werfen. Zeigst mit Schnauze und Paradeuniform die Überlegenheit der razza italiana. Verbündest dich mit Adolf. Erklärst Krieg nach links und rechts. Schickst die Juden über den Brenner. Lässt die Deutschen die Drecksarbeit machen und für dich sterben.
Eins auf die Rübe
Endlich gibt dir einer mächtig auf die Rübe. Vorbei mit Rausch und Raub. Greifst dir an den Schädel, tust so, als wärst du nur ein Häschen gewesen. Vergewaltigt von den bösen Deutschen, diesen Barbaren. Und rühmst dich der Befreiung von dir selbst als Faschist und durch dich selbst als Partisan. Während es die Russen, Amis, Briten und deren Kolonialvölker waren, und die den Job noch zu Ende bringen müssen, bis zum 9. Mai 1945.
Das ist der 25. April in Italien. In eine wahre Parabel gekleidet.
Das Partisanen-Credo
Bis zum Ende der ersten Republik wurde dieser dreiste Selbstbetrug fest geglaubt und zum «antifaschistischen» Glaubensbekenntnis hochstilisert. Ohne das machst du gar nichts in Italien. Der ANPI, die Vereinigung der Partisanen, ist heute noch mächtiger als die Loggia P2, der Lions Club und die Kommunistische Partei zusammen.
Die Wende in der 2. Republik
Der 25. April kam ins Gerede, als sich ab 1980 langsam die schmerzliche Einsicht der Eigenverantwortung für den Faschismus durchzusetzen begann („Il Sangue dei Vinti“). Bis dahin waren die Schrecken des italienischen Bürgerkrieges von 1943 bis 1945 den nachgeborenen Italienern unbekannt, weil eisern verschwiegen.
Für den Staat und die Linke ist der 25. April immer noch ein hochheiliger Tag, für die Rechte und die Systemkritiker nur das Lippenbekenntnis der Mitläufer und das Feigenblatt der Wendehälse.
Erstarrte Ritual-Handlung
Aber genau darum ist der Staatsfeiertag vom 25. April gut für Italien: Er ist ein Schüttelsieb, das die Spreu vom Weizen trennt. Den Faschismus bekämpft man nicht, indem man sich mehr oder weniger theatralisch zum «Antifaschisten» ausruft. Man macht den Faschismus nicht ungeschehen, wenn man gegen Kriegsende den Partisanen die Daumen drückt. Und Amtspersonen, die Kränze mit Trikolore-Schleife niederlegen, verhindern keinen neuen Faschismus.
Blind für neue Gefahren?
Im Gegenteil. Im Westen stehen neue Diktaturen an. Sie kommen nicht in Stiefeln, sondern auf leisen Sohlen, nicht zu Duce- und Heil-Rufen der Massen, sondern fast unsichtbar durch die Büros von Hochfinanz, Tech und einer Politik in Krawatte und Hosenkostüm.
Die «Befreiung» muss sich bald ein neues Datum suchen, – eines, das im 21. Jahrhundert zuhause ist.