ETYMO AM SAMSTAG | SUMMERFRISCH

Samstag 1. August 2026

Eine Bozner Seligkeit.

Die Zeitschrift Alpenland bringt im September 1926 eine kleine Etymologie zum Ursprung des Wortes Sommerfrische.

„Sommerfrische“. Das Wort „Sommerfrische“ in seiner Bedeutung als sommerlicher Erholungsaufenthalt gehört noch nicht allzu lange dem deutschen Sprachschatz an, denn es sind kaum hundert Jahre her, dass es zum Gebrauchswort wurde. Bekannt war das Wort allerdings schon viel früher. Sein Ursprung führt nach Tirol, wo man das Wort „frisch“ in der Bedeutung für Erholung oder Erfrischung schon im 17. Jahrhundert im Gebrauch findet. In einem aus dem Jahre 1648 stammenden Werk wird zum Beispiel berichtet, dass der „ritter mit andern hern an der frische säße“, und um die gleiche Zeit heißt es in einem anderen Buch von einem Ort, „wo die Stadt Bozen ihre refrigera oder frischen halten“.

Aus dem Tiroler Wort „Frische“ entstand sodann im Laufe der Zeit die Bezeichnung „Sommerfrische“, die man gleichfalls zuerst im Tiroler Sprachsatz findet, und zwar zunächst wiederum in der Bozener Gegend und den angrenzenden österreichischen Gebirgsländern, wo sich die „Summerfrisch“ oder „Summerfrischen“ zu Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr einbürgerte. In der Bedeutung als Ortsbezeichnung findet man das Wort dagegen erst 1838.

Ist ja klar, dass Bozen dieses Wort erfinden musste, liegt die Stadt doch in einer Caldera, einem urzeitlichen Vulkanherd, der noch an den Porphyrzacken entlang des Überetsch zu erahnen ist. Caldera, schon allein das Wort klingt hitzig. Wie gut, dass es den Ritten gibt und Kohlern, das nahe Sarntal und die Höhen zwischen Glaning und Sankt Isidor.

Bozen ist eine Kaufmannsstadt. Es waren die vermögenden Handelsherren, die sich erstmals den Genuss einer Summerfrisch leisten konnten – obligat auf dem Ritten! Ab der Gründerzeit um 1900 wurde die Sommerfrische ein Status-Symbol des Bürgertums.

Im Titelbild die Erdpyramiden vom Ritten; (c) privat