ETYMO AM SAMSTAG | DIE PHANTASTISCHE GESCHICHTE DER KELTEN

Samstag 23. Mai 2026

Folge 4: Bewusst keine Schrift

„Platzlen“ nennt man bei uns geheime Fundstellen von Pilzen oder Beeren. Bei den Kelten waren es streng gehütete Geheimnisse von Erz- und Salzfundstellen. Ebenso kostbar waren das Wissen und die Fertigkeiten in der Erzgewinnung und Erzverarbeitung sowie im daraus entspringenden Schmiede- und Kunsthandwerk. Diese Avantgarde-Technologie war bedroht vom Ideenklau der Nachbarn und Abnehmer. „Abkupfern“ sagt man noch heute! Also pflegten die Kelten eine strenge Geheimhaltung ihrer Technologien, ihres medizinischen Wissens und ihrer Himmelskunde. Wissen und Fertigkeiten wurden nur durch praktisches Lernen von einer Generation auf die nächste weiter gegeben. Schrift war tabu.

Statt dessen bildeten die Kelten besondere Leute heraus, die Druiden, die für den gesicherten Übertrag des volkseigenen Wissens durch praktische und mündliche Überlieferung zuständig waren. Die wichtigste Schutzvorrichtung der Kelten war also die mündliche Weitergabe ohne schriftliche Zeugnisse. Durch diese Schriftlosigkeit ist die historische Identität der Kelten unsichtbar, ganz im Gegensatz zu den schriftführenden Römern, aber deswegen nicht weniger real. Nebenbemerkung: In dieser Tradition des kollektiven Wissens war den Kelten jede Art von Autoren- und Personenkult fremd. Sehr im Gegensatz zu den mediterranen Völkern.


Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Die phantastische Geschichte der Kelten. Folge 5: Der Kessel.