Schluss mit der Tanten-Sprache.
Seit dem großen Auftritt der „Frauen“ in der Politik hat sich die öffentliche Sprache stark verändert. Hin in Richtung des „exklamativen“ Moralismus. In verständlichem Alltagsdeutsch ist das die „Tanten-Sprache“, in der nicht nur Frauen gut sind, sondern auch Priester und Pastoren, Spießbürger und Heuchler, Klima- und sonstige „Bewegte“.
„Pastor“ Pistorius gibt das jüngste Beispiel. In Sachsen-Anhalt wurde unter Soldaten Amphetamin und Testosteron gehandelt. Auch sei eine 17-jährige Soldatin verführt worden.
Da schau her: mit 17 darf man Menschen töten, aber keinen Sex mit Männern haben.
Der Bundesverteidigungsminister, oder sollte man jetzt sagen, der Kriegsminister, findet diese Vorgänge laut BILD „entsetzlich und widerwärtig“. Macht den Moral-Wauwau in Tanten-Sprache, anstatt nüchtern und möglichst ohne Öffentlichkeits-Tamtam nach dem Rechten zu schauen.
Vor wenigen Tagen ist Deutschlands Arbeitsministerin und SPD-Mitchefin Frau Bas von ihren Ämtern zurückgetreten. Ihre Begründung: Tod der Schwiegertochter. Ein „Fishing for Sentiments“ gänzlich außerhalb des Zusammenhangs, mit der Wirkung, dass das Sachliche übertönt wird und nicht mehr zur Behandlung anstehen darf. Tut dies jemand trotzdem, auch unabsichtlich, hagelt ist schon wieder ein „Unmenschlich!“ von der Tanten-Sprache.
Diese zur Schau getragene Rührseligkeit mag wohl eine bundesdeutsche Spezialität sein. Ein Anti-Nazi-Reflex, sozusagen, mit dem man nichts besser macht, nur besser redet. Aber diese Art und das Weltbild dahinter haben auch in Südtirol eingeschlagen, auch in Sphären, wo man es nicht vermuten würde.
Kleines Beispiel: A. Zingerle von der „Dolomiten“ hat diese Woche einen treffenden und notwendigen Kommentar zur aussichtlosen Wohnmisere der arbeitenden Einwanderer geschrieben. Die Überschrift aber lautete: „Es geht um Würde und ein Grundrecht.“ Nein, es geht einfach nur um Wohnen. Um nackte Notwendigkeit. Das reicht.