DOLOMITENGERÖLLE NR.3

Mittwoch 6. Mai 2026

Tagblatt der Südtiroler rollt vielversprechend.

Doch, der neue „Dolomiten“- Chef Pichler-Rolle hat nicht nur am Beginn seines Amtes Marksteine gesetzt, es scheint so langsam daraus eine Spur zu werden, mit Gewinn für Leser und Zeitung. Eine Spur, die man wie ein Späher aufmerksam verfolgen muss, um zu erkennen, was da (vor sich) geht. In welchem Wald bewegen wir uns eigentlich?

Nun in dem, wie sich die Lebenswelt und die Medienwelt entwickeln und gestalten. Die Umschichtung von Papier auf Elektronik macht den Verlagen zu schaffen, vor allem was das Geschäftsmodell betrifft (Werbung geht ins Internet, Verkaufszahlen brechen weg). Doch ist das Papier noch lange nicht abgeschrieben und es bahnen sich langsam Lösungen an, die mit Marke und Qualität zu tun haben. Umso wichtiger ist es, die Marke „Dolomiten“ erhalten und gestalten.

Die Schwachstelle

In der Lokalberichterstattung, dem Kernbereich, hat die „Dolomiten“ nie Stich aus gelassen, da ist sie Spitze und verlässlich (dass einem nicht alle Gesichter gefallen, ist eine andere Sache). Aber in der Zuspeisung von Nachrichten von außerhalb hatte sich im Lauf der Zeit der Wurm eingenistet. Zu lange hat die Redaktion sich darauf verlassen, dass Agenturen wie APA oder dpa nüchterne, gefestigte und vor allem ungefärbte Information bringen. Spätestens seit Corona, Ukraine, Klima, Gaza und dem deutschen Schlamassel ist es allen klar, dass die Macht des Internets (Socials & Co.) die Berichte der Agenturen und Leitmedien in ein bestimmtes Fahrwasser drängt, das sich den unrühmlichen Titel „Mainstream“ gefallen lassen muss.

Vertrauen wieder herstellen ist Sisyphos

Tatsache ist jedenfalls (so berichtet auch die „Dolomiten“ gestern, 5. Mai), dass ein Drittel der Mediennutzer ihr Vertrauen eingebüßt hat in die traditionellen Medien. Viele wenden sich von den Fernsehnachrichten der Staatssender ab, aber auch von Zeitungen, die sich zu sehr auf große Agenturen verlassen. Wahrgenommen wird vom Publikum vor allem, dass „was man so hört“ überhaupt nicht mit dem übereinstimmt, „was da geschrieben steht“ (oder gefunkt wird). Folge: Der Informationsmarkt verlagert sich ins Netz, weg von den großen Marken. Gegenmittel: Ins Volk hineinhören und nichts nachbeten. Eine Sisyphosarbeit.

Die „Dolomiten“ nimmt die Herausforderung an

Genau hier sind die ersten guten Anzeichen im Dolomitengerölle zu erkennen. Bei Agenturmeldungen auf den Seiten 2 und 3 habe ich jetzt schon öfter ein Redakteurskürzel nach der Agentursignatur bemerkt, was heißt, dass die Meldung von einem „Dolomiten“-Redakteur geprüft wurde. Rom-Berichte werden verstärkt hauseigen erstellt (mit). Mit Franz Niedermaier bringt die „Dolomiten“ endlich auch einen nicht-woken Kommentator etwas größer heraus.

Deutliche Kommentare

Hervorzuheben ist, dass Chefredakteur Pichler-Rolle öfters – im „Vorausgeschickt“ auf gleicher Rangstufe mit den Redakteuren – ins Geschehen eingreift. Beispiel dafür die Kritik an der Handhabung der Pflegesicherung („Immer laut Mathematik. Laut Land weiß ich nicht.“ 21. April 26; „Gemurkse“, 27. April 26).

Klare Kante auch im Rolle-Kommentar zum „Flammenwerfer“ Buttafuoco (5. Mai 26), wo es um die Freiheit der Kunst von der Politik und die Unsitte des politischen Boykotts geht. Vize-Chefredakteur Günther lässt jetzt deutlicher als früher den Ernst unter der Oberfläche durchscheinen („Genau deshalb“, 25. April 26)

Aufmacher, die das Volk bewegen

Das neue Dolomitengerölle in Richtung Volkes Stimme macht sich auch in den Aufmachern gehörig bemerkbar: Heute der toll gemachte Bericht über den Pendler-Ärger auf der Mebo (6. Mai 2026), die Versäumnisse der Pflegeeinstufung hatten wir schon, dann der Protest der Hausärzte gegen die bürokratische Gleichschaltung, mit Gehör für die mutige Ärztekammer-Chefin Dr. Astrid Marsoner, nur um einige der jüngsten Aufmacher anzusprechen.

Gegen-den-Strom-Schwimmer zugelassen

Nicht minder neu ist, dass Gegenpositionen mehr Raum gegeben wird. Heute durfte Roland Lang sagen, warum er nicht ganz mit Franz von Walther einverstanden ist, der gestern sehr eindrücklich auf einer Doppelseite von der ersten Demo von Sigmundskron am 5. Mai 1946 erzählte, dann kommt Karl Mühlsteiger zu Wort, der Protest-Bürgermeister vom Brenner („der Brenner ist viel zu billig“), dann aus Bruneck der ausführliche Kommentar, warum der Abzug des Hochschulzweiges für Tourismus gar nicht gefällt, und so könnte die Auflistung gut weitergeführt werden.

Die mühsame Rettung des Journalismus

Und wenn es mich nicht täuscht, trifft die Rolle-Dolomiten auch Vorkehrungen, um Werbung und Bericht, also Marketing und Journalismus, etwas sorgfältiger auszuweisen und zu trennen – wozu gehört, dass redaktionelle Beiträge nicht in Werbesprache geschrieben sein sollten.

Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln (aber wirklich nur für hartgesottene Zeitungs-Freaks wie dich und mich) – oder weinen, je nachdem. Nur um zu zeigen, wie schwierig es ist, in einer überbürokratisierten und over-kopfeten Zeit noch halbwegs normal und als unbestechlicher Beobachter zu schreiben.

Karawane schlängelt durch Fuzo

Hat man jemand geheißen, in Schlanders von einem Preis für den dörflichen Einzelhandel zu berichten. Was das Kürzel (lie) da am Samstag, 18. April 26 auf der Vinschgerseite der „Dolomiten“ geliefert hat, war hart im Nehmen – so hart, dass der erprobte Helmut Weirather einen ordentlichen und verständlichen Artikel in der Angelegenheit nachreichen musste („Einzelhandel muss bleiben“, 22. April 26). Hier die Kostprobe aus „Schlanders feiert seinen Einzelhandelspreis, „Dolomiten“ (lie) 18./19. April 2026:

„In der Fußgängerzone und in der BASIS wurde der Abordnung aus Brüssel gezeigt, was man tut in Sachen Einzelhandel und Ortsbelebung. Auf dem offiziellen Programm standen ein geführter Rundgang durch das historische Zentrum, die Präsentation des Jahresprogramms „Slow Shopping Schlanders“, eine Konferenz zum Thema „Stärkung des lokalen Einzelhandels in ländlichen Gebieten: Innovation trifft Identität“ sowie natürlich die Möglichkeit des Dialogs mit den übrigen Beteiligten am Bewerb. Zudem wurden die MIAr-App für digitale Einzelhandelsdienstleistungen sowie ein 3-D-Digitalmodell des Ortszentrums vorgestellt und – immer laut Programm – die „Schlanderser Erklärung zur Zukunft des Einzelhandels in Bergregionen“ verabschiedet.
Daher konnten die Schlanderser und Schlanderserinnen am Freitagvormittag auch eine kleine Karawane beobachten, die sich durch die Fuzo schlängelte – samt Verköstigungspausen an diversen Standorten und Gasthäusern.“

Lustig, gell, die Fuzo. Da haben sie aber mächtig gestaunt, die Schlanderser, und die Schlanderserinnen gleich mit, wie die Karawane schlängelte und wie die Funktionäre und NGOs, den Kopf schwer von Programmen, MIAr-Apps und Titel-Zeugs, sich an den diversen Gasthäusern labten.