Ein konservativ-klerikales Blatt macht auf Emanze.
Am 8. März taucht die Bozner „Dolomiten“ ein in Rosa. Sie steckt sich das Kampfzeichen der lila Venus an den Zeitungshut. Ein konservativ-klerikales Blatt macht auf Emanze. Am 9. März darf dann wieder die EU-Fahne drauf.
Auf plattdeutsch würde unser allerliebstes Alpen-Tagblatt wohl „Dat lopt mit“ heißen. Denn am 19. März, zu Josefi, dem „Patron des Landes Tirol“, dem Mann und Vater in der Heiligen Familie, da wird dann der bekränzte rote Tiroler Adler entstaubt und angeheftet. Nicht etwa das Mars-Zeichen als Gegenstück zum heidnischen Venus-Kreuz vom 8. März. Die „Dolomiten“ geht eben mit den Festen, wie sie fallen. Als realpolitische Konformistin geht diese Zeitung willig mit jedem Zeitgeist, auch wenn er eben mal etwas feministischer und diverser ist als die Werktagslinie.
Und gerade heuer, zum Hundertjährigen des sozialistisch-feministischen Frauentags, lässt Chefredakteur sich nicht lumpen. In der vollen Ausgabe wird das schwere Los der Frau in den Zeiten der Cholera Corona beklagt.
Das episch ausgedehnte Klagelied zum „Tag der Frau“ gipfelt im Kommentar-Satz auf Seite 1: “Im Stillen werden sie Opfer ihrer Partner und Ehemänner.“ Bei „allzu viele(n) Frauen“ komme diese „Gefahr“ zur „Mehrfachbelastung der Frauen“ hinzu.
Eine Vignette neben dem Meinungsbeitrag unterstreicht das Kreuz, das „die Frauen“ zu tragen haben. In der Pandemie lastet gar die Welt auf ihren Schultern, besagt die Zeichnung. Der alte Kerl namens Atlas, der die Kugel bisher getragen, macht sich derweil einen faulen Lenz, oder?
Pauschalbehauptungen dieser Schwere unter dem Titel „Chancengleichheit“ lesen zu müssen, das tut richtig weh. Männer werden völlig ausgeknipst. Sie dürfen gerade noch als häusliche Unholde auftreten. Diese bedenklichen Sätze mögen vom Mitgefühl diktiert sein, aber sie driften heftig ins politische Marketing ab. Schade.
Vielleicht redet es sich in den nächsten 100 Jahren auch in den Dolomiten herum, dass eine ungefähre Gleichheit der Chancen keineswegs bedeutet, dass alle Nöte, Schwierigkeiten, Untaten und Benachteiligungen verschwinden. Und dass es zur Beförderung von noch mehr Chancen, als es sie heute in mannigfacher Gestalt schon gibt, die Mithilfe des Mannes als Mann unerlässlich ist. Vom ebenso bestehenden Überhang der Rechte von Frauen in Teilen des Rechtslebens wollen wir gar nicht sprechen.
Über die ideologische Zeremonien-Haltung, das gruppenegoistische Lager-Denken und die rhetorische Selbstbemitleidung und das Diskriminieren des Mannes zwischen den Zeilen hinaus sollte das Bemühen um Chancengleichheit besser auf eine breite Akzeptanz setzen. Die Rolle der Frau in der heutigen Zeit so einseitig und halbwahr darzustellen, ist gewiss der falsche Ansatz.
P.S. Ich fürchte, ich kann diesen Beitrag am 8. März 2022 fast unverändert noch einmal auflegen.