Frotzeln verdirbt die Sache, um die es geht.
Kurz vor Ostern reisten einige bundesdeutsche Wissenschafter nach Bozen, um im Südtiroler Landtag vor dem Untersuchungsausschuss zur Corona-Pandemie auszusagen. Es sind Ärzte und Wissenschafter mit klaren Belegen in der Tasche, die zeigen, dass die Lockdowns von 2020 sachlicher Unfug waren und die Corona-Maßnahmen von der Politik bestimmt wurden und nicht von einer epidemiologischen Gefahrenlage.
Professor Homburg
Einer dieser durchaus verdienten und honorigen Persönlichkeiten ist Professor Homburg. Im Nachgang seines Besuches «in Italien» schildert er auf seiner Sendung «Homburgshintergrund» die Vorgänge in Bozen.
Gut italienisch gegessen
Als Deutscher hält er sich peinlich genau zurück mit direkter Kritik an den Südtirolern, wird aber durch die Blume um so deutlicher: Er war in Italien, hat sich mit «italienischen Unternehmern» getroffen und «die Vorzüge Italiens» bei Amalia Pernter in Salurn genossen. Das Edel-Lokal hat in Wahrheit eine postmoderne «Fusion»-Küche, meine Anmerkung.
Um zu sagen: Wenn die Reise in der Sache schon nichts gebracht hat, die Anhörung stümperhaft geleitet und die mediale Begleitung ein Skandal war, so hat wenigstens das private Rahmenprogramm eine gewisse Entschädigung geboten.
Südtirol ist Italien
Die besondere Enttäuschung, die ein bärtiger Südtiroler dem Professor bereitet hatte, kleidet dieser in eine kleine Spitze: Zwar liege Bozen auf der Landkarte mitten in den Alpen, sagt der Professor, aber das täusche, denn von Bozen aus fahre man «ebenerdig» und schnell nach Verona und Venedig. Kurz, Südtirol ist Italien.
Ganz Tirol ist ebenerdig
Das ist kein ernstes Argument, sondern eine Spitze gegen Wirth-Anderlan, aber auch gegen Pamer. Man erkennt es an der Gegenprobe: Ist Nordtirol Deutschland, weil man – Tatsache – von Innsbruck «ebenerdig» nach Rosenheim und München fährt? Nein. Autobahn Etsch, kleiner Brenner, Autobahn Inn – das ist der Wesenskern von Tirol, dem stolzen Brückenland. Aber um Nationalitäten-Politik geht es ja nicht.
Die Verhunzung in der Presse
Was den Professor echt gegangelt (gestochen) hat, das ist – jetzt in meinen eigenen Worten – das stümperhafte, schludrige, durchaus unprofessionelle Verhalten der Südtiroler rund um die Anhörung (löbliche Ausnahme: Corona-Jägerin Renate Holzeisen). Was es dazu zu sagen gibt, erzählt der Professor im Video – wie schon gesagt, in sehr zurückhaltender und vornehmer Art.
Sein Punkt «warum ich diese Sendung mache», ist der Artikel «Die Schwurbler-Schlacht» in der neuen Südtiroler Tageszeitung aus der Feder von Matthias Kofler. Der machte aus der sachlichen Corona-Anhörung im Südtiroler Landtag etwas ganz anderes. Weil er sich auf Äußerungen unter der Hand stützte. «Ein Lehrstück über Manipulation während und nach der Coronakrise», sagt Prof. Homburg zu Recht.
Das Eigentor von JWA
Wer, wie der Schreibende, die handelnden Personen und die hiesigen Sitten kennt, muss da schon deutlicher werden in der Kritik an unseren Haudegen. JWA hatte unbegreiflicherweise einen Schnappschuss von sich und dem Professor ins Netz gestellt und im dicken roten Balken darunter das Wort Schurbler geschrieben. Diesen Geniestreich nutzte der TZ-Kofler und kopierte das Bild mitten in seinen Häme-Artikel.
Pamer frotzelt Experten weg
Überhaupt scheint es keinen geordneten und institutionellen Abschlussbericht des Ausschusses gegeben zu haben und wenn, dann war er umsonst, weil offensichtlich «die Meinungsführerinnen» Foppa und Pamer den Schreibern schon vor der Zeit und unter der Hand ihre Version durchgestochen hatten. Sonst könnte Kofler im Vorspann wohl kaum den Frotzel-Satz der SVP-Politikerin so hinschreiben: «Das trockene Fazit von LR Rosmarie Pamer „Wir werden alle sterben.“»
Renates Nachschlag
Der TZ muss die Kritik von Prof. Homburg wohl etwas peinlich gewesen sein. Jedenfalls ist der Kofler-Artikel in der Web-Ausgabe der Zeitung nicht auffindbar, steht auch nicht in der Abfolge der Artikel in dessen Rubrik «Politik». Dafür veröffentlicht die TZ am 8 apr 26 eine kompensierende Holzeisen-Aussendung, wohl auch, weil in dieser der JWA sein Fett abbekommt, der, so Holzeisen: «mit provokanten Posts die geladenen Experten selbst in ein ,schiefes Licht‘ rückt.»
Ostentative Geringschätzung
Auch Pamer (SVP, Regierungsmitglied) bekommt ihre verdiente Schelte. Holzeisen: „Sie zieht es vor, Experten als Corona-Leugner zu diskreditieren. Generell war Landesrätin Pamer während der Anhörungen öfter außerhalb als in der Aula und hat daher große Teile der Ausführungen nicht mitbekommen“.
Was lernen wir aus alledem?
Frotzeln über Corona ist neben die Schuach. Zweitens: Die in der Silbergasse wissen auch, wo die Bananen hängen (auf dem Pamer-Pam), haben aber wenigstens den Anstand, sich (sehr) indirekt zu entschuldigen.