DIE BRENNERBLOCK-KLEBER

Dienstag 2. Juni 2026

Der Erfolg hat viele Väter.

Bereits besprochen ist, wie die Bürgerversammlung am Brenner am Samstag, den 30. Mai 2026 den Umweltaktivisten Appetit macht und warum eine Klimakleber-Ähnliche Dauermobilisierung gar nicht im Interesse der autobahngeplagten Anrainer sein kann.

Heute kommen wir zu Anderen, die sich an die geglückte Aktion „drankleben“, so gut oder schlecht es eben geht. Bemerkenswert ist das Bild, das Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher abgibt.

Im Vorfeld der Brennerblock-Demo hatte sich die Südtiroler Politik ganz deutlich vom Vorhaben der Wipptaler Bevölkerung abgesetzt. Kompatscher, der dem Großaufgebot am Vorabend „keinen Mehrwert“ voraussagte, wirft sich am Demo-Tag in die Kluft der Südtiroler Zivilschutz-Behörde. In der Techniker-Uniform verschwindet der Chef-Politiker und hervor tritt der Chef-Technokrat. Demonstrativ zuständig für sein Hoheitsgebiet, die Provinz unterm Brenner.

Afterwards ist der Techniker Kompatscher neben den Demonstranten groß in der Zeitung und freut sich, dass „die Bevölkerung“ sich „verantwortungsbewusst“ verhalten und – jetzt kommt’s – sich an die „von uns gegebenen Ratschläge“ (!) gehalten habe.

Dabei hat die „Bevölkerung“ nur ihren eigenen, von Gott gegebenen Hausverstand eingeschaltet und auf das buchstäblich Unumgehbare reagiert, das von den Nordtiroler Behörden und großen wie kleinen Medien unmissverständlich in Dauerschleife angekündigt worden war; Nebenbei hat es die Behörde es nicht bei „Ratschlägen“ belassen, sondern sinnvollerweise Verbote durchgesetzt. Im Übrigen ist es von zweifelhaftem Geschmack, nach Gutsherrenart von braven Landeskindern zu reden.

Auch der Südtiroler Gastwirteverband HGV hat Kreide gefressen: Nach anfänglichen Weltuntergangsfantasien will er jetzt die Beweggründe der Brennerdemo verstehen und dankt allen voran dem Zivilschützer Kompatscher (weil der ja die Hauptrolle im Ganzen hatte, gell). Der HGV ist aber „gegen die Methode“, ohne anzugeben, was denn eine Erfolgreichere als diese wäre.

Aus schlechter Gewohnheit spricht der Verband noch von einer „Blockade des Brennerpasses“, was unkorrekt ist. Die Eisenbahn verkehrte ja.

Dass Unbekannte die Zuggeleise in Verona manipulierten und für Verspätungen im Brennerverkehr sorgten, dafür können die braven Wipptaler nix. Zeigt aber, welche giftigen Gelüste eine solche Aktion wecken kann.

Insgesamt also Nein zu grüner Folklore, Schmunzeln über politische Randmanöver und Nein zu allen weiteren Versuchen, sich am Erfolg von Bürgermeister Karl Mühlsteiger dran zu kleben.

Die Wipptaler haben sich auf die Einhausung und Untertunnelung der Autobahn zu konzentrieren und auf machbare Verordnungen zur Drosselung bzw. Steuerung des Transitverkehrs.


Das Titelbild ist ein Ausschnitt eines Pressefotos von LPA Landespresseagentur (Urheber Maja Clara). Es zeigt Zivilschutz-Chef A. Kompatscher bei Lagebesprechung mit Beamten.