DIE ANGST DER UNGARN

Montag 13. April 2026

Gut für die EU, schlecht für Europa. Eine Wahlanalyse.

Schade, dass Viktor Orban die Parlamentswahl am 12. April 2026 verloren hat. Die EU-Zange hat gewirkt: Auf der einen Seite fehlende Brüssler Milliarden, auf der anderen Seite kein Öl und Gas vom Straßenräuber Selenski – das hat vielen Ungarn Angst gemacht und Nummer Sicher wählen lassen. Sie und nicht die urbanen Jungen haben vermutlich den Ausschlag für den Ausgang des Wechsels in Budapest gegeben. 

Den Gnadenstoß hat dem Orban wohl der Amokläufer Donald Trump versetzt, um den sich der Viktor so bemüht hatte – in Zeiten, als The Real Donald noch Underdog und MAGA war. Die Wahlunterstützung von J.D. Vance am Vorabend der Wahl wurde zum Sargnagel von Orban-Ungarn.

Anlass zum deutschen Triumphalismus à la BILD gibt der Erdrutschsieg des Herausforderers mit dem sinnigen Namen Magyar (=Ungar) allerdings nicht. Weder war es eine «Schicksalswahl» noch vergleichbar mit dem «Fall der Berliner Mauer» und schon gar nicht mit dem Aufstand gegen die Sowjets 1956 oder der fernen Revolution von 1848 – ja, die BILD zieht alle Register.

Der klare Sieg der neuen Bewegung Tisza nach 16 Jahren Orban beweist vielmehr eindrucksvoll, wie gut die Demokratie gerade im Orban-Land gedeiht, und dass der Neue exakt von dem Wahlsystem profitiert, das Orban für klare Regierungsmehrheiten gebaut hatte. Da könnten sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden. Man weiß ja, was nach 16 Jahren Merkel kam.

Es ist schade um Viktor Orban als Chef der unbeugsamen Magyaren, aber er lebt noch, er ist da, er hat seinem Nachfolger gratuliert und ist bereit, in der neuen Aufgabe als Führer der Opposition weiter zu kämpfen: treu für Ungarn, aufgeben nimmer, sagt er.

Umgekehrt ist der Neue ein Mann mit Schatten. Wie wird sich der Peter entwickeln? Man weiß es nicht.

Es wäre also falsch, den Viktor abzuschreiben. Vielleicht ist der Neue ja nur ein junger Joe Biden oder ein Makrönchen, und der schlaue Orban eine Art von Trump, der nach einer gesunden Abnehm-Kur wiederkehrt.

Das wird, wie schon diese Wahl, mehr von den kommenden geopolitischen Wechselspielen abhängen als vom Gratulations-Gesülze der deutschen EU-Kaiserin. Bei der immer klarer wird, dass es eine EU und ein Europa gibt.