DER ENTDECKER DER GAUL

Montag 23. März 2026

Ingenieur Franz Levy-Hoffmann

Vor 120 Jahren schreibt die Meraner Zeitung über die Fortschritte bei der Erschließung der Gaulschlucht und erinnert dabei an den eigentlichen Entdecker der „hochinteressanten“ Klamm, den Meraner Ober-Ingenieur Franz Levy-Hoffmann. Allerdings fehlt im Artikel der jüdische Erstname Levy.

Meraner Zeitung 14. März 1906

(D e r  V er s c h ö n e r u n g s v e r e i n  L a n a) wird heuer die im Vorjahre begonnene Erschließung der hochinteressanten Gaulklamm fortsetzen und eventuell zur Vollendung bringen. Der im Vorjahre erbaute, für jedermann bequem zu begehende Fußweg führt bereits etwa zwei Kilometer weit in die Schlucht; für die nun in Angriff zu nehmende Weiterführung sind 5000 K bereitgestellt.

Ob sich einige Meraner noch an den eigentlichen Entdecker der „Gaul“ erinnern? Wie uns mitgeteilt wird, hat Oberingenieur Franz Hoffmann in den Jahren 1875 und 1876 unter Führung des Josef Kofler vulgo „alter Spangler“ von Lana mehrfache Exkursionen in die Gaul unternommen, welche bis dahin nicht die geringste Beachtung gefunden hatte, und hat unter großen Mühseligkeiten und Lebensgefahren auf eigene Kosten eine Karte der ganzen Gaulschlucht von Lana bis St. Pankraz aufgenommen.

1876 hielt er dann in der Alpenvereinssektion Meran einen längeren Vortrag über die verborgenen Schönheiten der „Gaul“ und stellte den Antrag, dieselbe durch einen Steig zu erschließen. Der Alpenverein sandte daraufhin zuerst eine Kommission zur Besichtigung der Schlucht aus und nachdem dieselbe ein günstiges Urteil abgegeben hatte, wurde unter Hoffmanns Leitung im Winter 1876-77 der Bau durchgeführt, welcher rund 1000 K kostete.

Ein von Herrn Hoffmann gestiftetes Fremdenbuch ist später leider seiner wertvollen Handzeichnungen und Aquarelle Münchener Künstler (z. B. Chr. Mali) von vandalischer Hand beraubt worden. Soviel sich unser Gewährsmann zu erinnern glaubt, hat Herr Hoffmann, um den Bau zu ermöglichen, damals dem Alpenverein die gesamten Baukosten vorgestreckt, welche dann allmählich aus den eingelaufenen Eintrittsgeldern gedeckt wurden.

Das Hochwasser 1882 zerstörte einen großen Teil des Steiges, worauf der Theißwirt, Herr Stauder, auf eigene Kosten einen neuen Steig herstellen ließ. Es ist hocherfreulich, daß die Erschließung der Gaul, welche ein Schaustück ersten Ranges darstellt, nunmehr in größerem Maßstabe vor sich gehen soll.

(Meraner Zeitung am 14. März 1906 Nr. 31 Seite 3; Quelle: digital.tessmann.it mit Dank)