„Studenten-Aufmarsch Bozen 6. 11. 1995“ steht auf dem Bild aus der historischen Schatztruhe. 23 Jahre vor Greta und 25 Jahre nach den „68ern“. Mit dem zeitlichen Abstand versteht man, dass der Anlass verwischt und letztlich weniger wichtig ist als das Dabeisein, das Miteinander, das Miterleben. Ja, schön war die Zeit, ach so schön… für die jungen Leute – die wieder einmal für andere Interessen eingespannt werden wie vorher bei den „68ern“ und nachher für Gretas“Skolstrejk für Klimatet“.
Bei den Studentenumzügen in Bozen 1995 ging es vordergründig um den Widerstand der Schüler gegen Regierungsmaßnahmen, welche eine Aufwertung der privaten Schulen vorsahen. Auf Kosten der öffentlichen, angeblich.
Doch die scheinbar von den Schülern ausgehenden Demos hatten jedoch einen ganz anderen Hintergrund. Die Schülerumzüge waren von den Gewerkschaften sorgsam orchestriert worden. Man beachte nur den im Foto gut sichtbaren jungen Mann mit dem Megaphon, der eindeutig kein Schüler ist.
Es ging den Bozner Gewerkschaften in Wirklichkeit um die Beibehaltung ihrer eigenen Machtsetllung beim Übergang des öffentlichen Schulwesens zum Land.
Diesen politisch äußerst bedeutsamen Vorgang beschreibt der frühere leitende Beamte Paul Silbernagl in der Broschüre „30 Jahre deutsches Schulamt“ Bozen, September 2005, ausführlich. Hier ein paar Infos und Zitate, die erklären, wo der (faule) Hund begraben war!
Schule zum Land (Seiten 22ff.)
1993 schlägt die Stunde für das Projekt »Schule zum Land« .Breite Zustimmung. 1. Juni 1993 Beschluss der Landesregierung. Die neuen Durchführungsbestimmungen werden in drei Treffen (am 31. Juli, am 3. und 4. August 1995) mit den Schulgewerkschaften besprochen.
Zitat: „Die Schulgewerkschaften bemängelten, dass sie in der Ausarbeitungsphase nicht miteinbezogen waren“ (Ein Klassiker bis heute! – Meine Anmerkung) „auch könnten sie die Entscheidung der Landesregierung, vorerst nur eine Delegierung von weiteren Zuständigkeiten anzustreben, nicht akzeptieren. Schließlich unterbreiteten sie einige Abänderungsvorschläge. Den verschiedenen Stellungnahmen der Gewerkschaften liegt teilweise die Befürchtung zugrunde, das Land könnte in Zukunft einseitig – ohne Einbeziehung der Gewerkschaften – das Dienst- und Besoldungsrecht des Lehrpersonals festlegen (Meine Hervorhebung) (…) Der Text wurde schließlich am 22. Dezember 1995 von der Sechserkommission genehmigt, mit dem gesetzesvertretenden Dekret vom 24. Juli 1996, Nr. 434 erlassen und ist am 7. September 1996 in Kraft getreten. Am 7. November 2003 hat der Ministerrat noch einige Nachbesserungen genehmigt (Legislativdekret vom 19. November 2003, Nr. 345).“ (P. Silbernagel, a.a.O.)
Soweit des Pudels Kern. Und hier noch ein Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der professionellen Arbeitervertreter. Die Verhandlungen mit den Schulgewerkschaften betreffen die Landeszulage für die einzelnen Lehrerkategorien, die zweijährigen Vorrückungen, die Vorankündigung bei der Teilnahme an Streiks, schildert P. Silbernagl. Zitat „Hinzu kamen noch weitere Schwierigkeiten wie – besonders am Beginn – die fehlende Bereitschaft, miteinander konstruktiv zu reden.“ – „Die Sitzungen verliefen manchmal lautstark und emotionsgeladen. Verbale Entgleisungen trübten öfters schon zu Beginn der Verhandlungen das Gesprächsklima.“ (P. Silbernagel, a.a.O.)
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Bilder unten: Bozen im Februar 2019. Die Jugend demonstriert wieder. Demo forever. Um was es geht? Steht überall. Das Reich ist mit ihnen.