BRENNER ZU

Samstag 2. Mai 2026

Beste Nachricht seit Langem.

Karl, das hast du gut gemacht. Er heißt Mühlsteiger und macht die Mühle zu.

Klitzekleine Totalblockade für das Recht auf Leben

Es ist nur ein Wimpernschlag – die wenigen Stunden von 11 Uhr bis 19 Uhr Unterbruch auf der ewig röhrenden Brennerachse im Wipptal. Und doch wird der 30. Mai 2026 als Katastrophe gehandelt: «Totalblockade» heißt es, wenn einmal an einem Samstag, wo ohnehin LKW-Fahrverbot ist, die Damen und Herren Vergnügungsreisenden für ein paar lächerliche Stunden nicht von München zum Gardasee kommen, über den Brenner, auf dieser wunderbar gebauten Autobahn auf Stelzen.

Die Empörten

«Das trifft den Tourismus bis ins Mark», schießt der neu gebackene HGV-Chef in Bozen weit übers Ziel hinaus. Wegen einem halben Tag in einer Ewigkeit des Anfahren und Abfahren? Passend dazu liefern SVP-Kompatscher sowie der verkehrsrege Ladin-Alfreider brav ihr Bekenntnis für Spritztouristen und Frächter ab. Da ist von Unverständnis und Verwunderung zu lesen, von höflichen Anfragen in Wien und Rom (insgeheim teilen sie die Wut der Italiener). Nicht der Hauch eines Schulterschlusses mit den tapferen Tirolern, die jetzt auch noch das Wunder einer vollständigen Sperrung der Strecke Innsbruck-Brennerpass vollbracht haben. 

Ganz Gallien? Nein!

Umso mehr gilt der Beifall, ja Bewunderung, dem energischen Bürgermeister von Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, und seinen Leuten, die endlich, nach tausend leeren Versprechungen und Widerständen, es fertig gebracht haben, dass mit einer phänomenalen Protestaktion mitten auf der A13 die unerträgliche Belastung, unter der das Volk längs der Brennerautobahn seit Jahrzehnten leidet, endlich Wahrnehmung und hoffentlich bald Gehör für richtige Heilmittel anstatt Trostpflaster findet. 

Es gibt kein Recht auf Durchzug

Was ich persönlich am tollsten finde an der Sperre, die vom Verwaltungsgericht Innsbruck zum Schutz der Versammlungsfreiheit durchgedrückt wurde (Lob!) ist, dass so vielen Ahnungslosen einmal ins Gesicht geklatscht und bewusst gemacht wird, welche überragende Bedeutung der Tiroler Brenner für uns alle und für Europa hat – und dass man da nicht einfach millionenfach drüber fahren kann, wie man gerade lustig ist. 

Stopp dem Freizeitkult

Denn das nächste Geniale an dieser Aktion ist, dass es diesmal nicht die armen und vielfach gebeutelten Brummifahrer und Frächter trifft, sondern die schicken Suvs und Multivans in ihrem Freizeitkult. Genial nicht aus Neid, sondern weil immer so getan wird, als sei die Transitplage nur ein Problem der LKW.

Die lange Korridor-Abwertung

Im Techno-Sprech wird die Strecke Kufstein-Modena als «Brennerkorridor» bezeichnet. Ein Schluff, wie wir sagen, ein Schlauch, ein lästiges Etwas, durch das man hindurch fahren muss, um von Zuhause ins Paradies zu kommen und umgekehrt. 

50 Jahre von diesem Schluff haben es fertig gebracht, dass die schöne und stolze Kultur der Brennerdörfer und -Städte in Staub, Lärm, Abgasen und schlichtem Vorbeifahren abgetötet wurde.

Die prächtigen Wirtshäuser am Weg, von Matrei über Sterzing und Mauls, von Atzwang über Bozen und Ala, und mit ihnen Geschäfte, Handel und Wandel, sie sind grau geworden, zum Teil geschlossen, eingegangen. Das ehemals blühende Marktdorf Brenner verschwunden, das Wipptal diesseits und jenseits der Staatsgrenze ein einziger seelenloser Wühl- und Bagger-Platz.  

Lob den Bürgermeistern

 Einem Bürgermeister muss das Herz bluten. Karl Mühlsteiger hat den ungleichen Kampf gegen das Monster Verkehr aufgenommen, auf italienischer Seite steht ihm nur Amtskollege Martin Alber von der Gemeinde Gossensass/Brenner bei. Ein Lob für den Martin ist zugleich ein Beschämt-Sein über die Südtirol-Führung Marke Arno Kompatscher und die Bande der Windfahnen und Konformisten, die sich hinter ihm verstecken.

Heimatpflege diesmal richtig

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit den Öko-Taliban vom Heimatpflegeverband etwas anfangen könnte, aber diesmal habe ich mit großer Freude gelesen, wie die Frau Plaikner sich auf die Seite der Grieser und Wipptaler stellt. Danke. 

Fortsetzung folgt

Bis 30. Mai ist es noch ein Stück, und dies wird nicht die einzige Meldung zum bahnbrechenden Protest am Brenner sein. 

 

 

Bürgermeister Karl Mühlsteiger macht die Mühle zu - für einen Augenblick, wenigstens. Foto dege

Zur Abrundung folgende Hinweise/Lesetipps

BRENNER DICHT BILD 30.04.2026

https://www.bild.de/news/ausland/anwohner-machen-brenner-dicht-wichtigste-strasse-der-alpen-wird-blockiert-69f2f543052adba8a89e50ab

 

SN Mittwoch, 29. April 2026 | 18:32 Uhr

Aufschrei bei kurzer Blockade – Schweigen bei jahrzehntelanger Belastung HPV: “Brenner-Protest legt Doppelmoral offen”

https://www.suedtirolnews.it/politik/hpv-brenner-protest-legt-doppelmoral-offen

BBD 29. aurí 2026 von Sigmund Kripp

Autobahn gesperrt! Die Wipptaler Menschen ergreifen Notwehrmaßnahmen

https://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=99072

BBD Wolfgang Mayr 29. aurí 2026

Südtiroler Geraunze.

Brennerprotest – Die Reaktionen auf die Brennerblockade zeigen es einmal mehr, Südtiroler Solidarität dürfen sich die Nordtiroler Autobahnanrainer nicht erwarten.

https://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=99065

HGV

„Eine derart kurzfristige und unabgestimmte Sperre einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas trifft Südtirols Gastbetriebe ins Mark“, betont HGV-Präsident Klaus Berger. Staus, Verzögerungen und Unsicherheiten bei der Anreise führen nicht nur zu großem Unmut bei den Gästen, sondern im schlimmsten Fall auch zu Stornierungen und wirtschaftlichen Einbußen.

https://www.hgv.it/de/magazine/artikel/brennersperre-am-30-mai-hgv-warnt-vor-massiven-auswirkungen

 

N.B.

BILD zitiert HGV mit „ins Herz“ (HGV ins Mark) => Mark versteht draußen schon niemand mehr.