Südtirol ist Land, nicht Stadt.
Wer jung ist, geht in die Welt hinaus. Das ist schon seit ewigen Zeiten so, und das gehört zum gesunden Menschenleben. In Südtirol macht man sich Sorgen. Man treibt die Jugend in die Welt hinaus und erschrickt, dass sie nicht mehr in die Heimat zurückfindet.
Das ist kein Problem, wenn es mit dem Nachschub klappt. Aber in den modernen Zeiten kommen keine sechs, drei Kinder in einer Familie auf die Welt, sondern in jeder dritten vielleicht eines.
Es leiden die Wirtschaft, der Landeshaushalt und der Sozialstaat. Denn wer soll bitte in die Rentenkassen einzahlen, wenn nicht die toll arbeitenden Jungen?
Schreibt die einfühlsame Evi Seebacher einen Meinungsbeitrag in dieser Sache („Dolomiten“, „Doppelpunkt“, Sa/So 13./14. Juni 2026), nämlich:
Junge Leute kehren nicht zurück an Orte, wo um 22:00 Uhr der Bürgersteig hochgeklappt wird. Wo „konservative Leute“ sich beschweren, kaum tönt lautes Lachen durch die Nacht. (Möchte nur nebenbei anmerken, dass solche Leute Spießer sind und Spießertum nichts mit dem edlen Prädikat konservativ zu tun hat).
Evi Seebacher zählt auf, was die jungen Leute so alles brauchen würden, um sich nicht nur wie „Arbeitsdrohnen“ zu fühlen. Alles kluge (An-) Sätze. Nur in Einem, und zwar im Grundsätzlichen, fällt die Kolumnistin der „Dolomiten“ auf ein Muster zurück, das gar nicht geht.
Unausgesprochen ist gemeint, was die Alten, die Konservativen, die Wirtschaft, die Dagebliebenen, usw. von sich aus alles tun, unterlassen und veranstalten müssten, damit sich die Jugend hier wohl fühlt wie in einer Großstadt.
Das Gedanken-Muster ist: Bereitstellen, herrichten, Nest bauen, wir sorgen vor, Eltern für Kinder. Ältere haben für alle Ansprüche da und verantwortlich zu sein. Genau diese Emsigkeit in Bemutterung und Vollkasko-Fürsorge – diesmal sogar bis hinein ins Nachtvergnügen – ist der herkömmliche, aber zutiefst obsolet gewordene Ansatz.
„Hier ist alles zu perfekt“, zitiert das Wochenmagazin ff einen mondänen Lebensstil-Journalisten.
Und: Warum sollten wir (übrigens auf wessen Kosten?) jene anziehen, die in ein gemachtes Nest fallen wollen?
Südtirol ist Land, nicht Stadt. Konservative (nicht Spießer!) fordern von den Einwanderern, dass sie sich dem Land anpassen. Das Gleiche muss man von den eigenen, jungen Rückwanderern verlangen dürfen. Die Tüchtigen schaffen sich ihre Freiräume ohnehin von selbst.
Und wem was hier partout nicht passt, der soll in Wien, München, Mailand oder Verona bleiben, bis er reif genug ist, wieder zurück zu kommen.