HALLOWEEN

Montag 2. November 2026

Keltischer Brauch wieder heimisch.

„Christlich ist es nicht grad“, sagte die Nachbarin entschuldigend, „aber die Kinder fahren voll drauf ab.“ Am Tag danach beklagen alle Mütter, dass ihre Kinder Berge von Süßigkeiten verputzt hätten. Es geht um Halloween. Ein neuer Brauch, der Südtirol im Sturm erobert.

Nachbarin kann beruhigt sein. Halloween ist ein christlicher Brauch. Halbwegs wenigstens. Von den urkatholischen Iren nach Amerika gebracht, von Amerika, hollywoodianisch aufgepeppt, wieder zurück nach Europa. Die Wurzeln sind keltisch.

Allerheiligenabend

Der Name kommt von All Hallows Even. Zu Deutsch: Allerheiligenabend. Klingt doch gar nicht mehr so geisterhaft, oder? Eher wie Weihnachtsabend. Und noch näher steht Halloween dem Fest Allerseelen von heute, 2. November. Gedenken wir da nicht auch der armen Seelen im Fegfeuer? Einen Tag nach Allerheiligen, an dem wir nicht nur unsere Toten ehren, sondern auch der heilen Seelen gedenken, die es bereits geschafft haben, in den Himmel zu kommen.

Eine heimische Sache

Genau genommen ist Halloween gar nicht der fremde Import, der die Kritiker so stört. In den Alpen hat es Halloween schon vor 3.000 Jahren gegeben. Das hat der Heimatkundler Alessandro Norsa herausgefunden. In seinem Artikel Vecchie tradizioni della notte d’Ognissanti nella Valle del Boite: un’ipotesi di continuità con antichi riti celtici beschreibt er alte Bräuche und Rituale aus der Nacht vor Allerheiligen in verschiedenen Orten des Alpenraums. Dabei kommt auch das Aushöhlen von Kürbissen vor. Laut Norsa handelt es sich um Riten keltischen Ursprungs. Am 31. Oktober feierten die Kelten das Jahresende mit dem Fest “Samhain”, bei dem die Geister der Toten beschwichtigt wurden. Der Autor beschreibt, wie die römische Staatsreligion des Christentums sich diesen im Volk stark verwurzelten Brauch zu eigen machte: Papst Gregor IV. verlegte im Jahr 835 das Allerheiligenfest vom 13. Mai auf den 1. November, Der Vorabend bekam den Namen “Halloween” – die abgekürzte Form von “All Hallows Even”, Allerheiligenabend. Gelesen und dankend zitiert aus „Ladinia“ (Zeitschrift), Nr. 34, 2010, Rezenjiuns, S. 345; auf digital.tessmann.it.

Schaurige Dekadenz auch

Trotzdem stimmt die Mahnung, dass mit „Süßes oder Saures“, Hexen, Geistern und Vampiren auch eine „moderne“ Todesangst, ja man möchte meinen, auch eine gewisse Todessehnsucht zelebriert wird. Was den spielenden Kindern, die sich so gerne verkleiden und anderen Angst einjagen, ja gar nicht bewusst ist.

Die NZZ berichtet heute, Montag, 2. November 2026:

Unbekannte verstecken Nadeln und Schrauben in Halloween-Süssigkeiten
In ganz Deutschland entdecken Kinder Nadeln, Nägel und Schrauben in Halloween-Süssigkeiten. Die Polizei vermutet in vielen Fällen, dass die gefährlichen Gegenstände dort mit Absicht platziert wurden.


Foto: dege 2018