ETYMO AM SAMSTAG | TRAMIN

Samstag 17. Oktober 2026

Das berühmte Weindorf. Folge 1.

Über Tramin im Südtiroler Unterland ist schon viel geschrieben worden. Nicht zuletzt wegen seines Weines. Wer kennt nicht den Gewürztraminer oder den weißen Traminer? Tramin, das Nachbardorf von Kaltern, soll der Namensgeber dieser Weinsorte sein. Hier liegt auch der Schlüssel zu einem etwas anderen Verständnis vom Ursprung des Namens Tramin.

Tramin-Kellerei neu & alt (c) Andreas Conrad FRS

Doch zunächst zum Eintrag „Tramin“ in der deutschen Wikipedia. Ordentlich gemacht, wahrscheinlich von einheimischen Kräften mit Hang zum Laizismus. Wertvoll die angeführten und weiterführenden Quellenangaben.

Leidig, wie bei Wikipedia-Einträgen zu Südtiroler immer, ist das einführende „[Tramin] ist eine italienische Gemeinde“. Ist sie nicht. Die Gemeinde Tramin liegt in oder gehört zur Republik Italien (EU). Das wäre korrekt, muss aber nicht Haupt-Attribut und Teil der Definition sein, da es lediglich eine politische Zuordnung ist. Diese politisch-korrekte, im Grunde nationalistische Sprechweise, stört noch einmal: Wenn die klassischen Weinbesucher und Feriengäste aus deutschen Ländern als „Gäste aus dem deutschsprachigen Ausland“ apostrophiert werden. Die EU zählt wohl gar nichts. Auch nicht die tiefe Bindung an und die Verbindungen Tramins zum deutschen Kulturraum.

Ein in dieser Wikipedia angeführter und aufschlussreicher Beitrag zum wärmeren Verständnis von Tramin ist der Aufsatz von Kunibert Zimmeter im „Schlern“, vom 15. Oktober 2021, digital lesbar auf digital.tessmann.it.

Nun zur Namensgeschichte von Tramin. Wie üblich lässt man die Geschichte von Tramin mit der Militärherrschaft der Römer beginnen (ab Jahr -15). Das ist eine praktische Verkürzung für Reiseführer und Nachschlagewerke, wird aber dem historischen Erbe Tramins wie auch Tirols und Mitteleuropas nicht gerecht.

Wie wir in der Reihe Etymo schon vielfach festgestellt haben, hat das lateinische Jahrtausend der Kirche in Europa die römische Spur in Erz gegossen. Die imperiale Namensgebung und die mächtige Staatsreligion des Christentums wirken wie ein Mantel, der alles Vorhergehende abdeckt.

So auch in Tramin. Die Pfarrkirche ist den heiligen Römern Julitta (Mutter) und Quiricus (Sohn) geweiht, Ortsnamen wie Kastellaz und Rungg sind romanisch, und auch die Mauritius-Kirchen erinnern an die prägende spätrömische Kultur.

Da liegt es nahe, auch den berühmten Traminer Wein als einen Import der Römer zu sehen. Weit gefehlt. Dann schon eher Export. Kaiser Augustus soll den rätischen Wein als den besten gelobt haben. Raetia war seine neue Provinz von Augsburg bis Verona. Das passt. Denn die berühmte Rebsorte des Gewürztraminers stammt nachweislich von nördlich der Alpen. So wie die Kelten, die Herren und Namensgeber in Tramin vor den Römern.

Fortsetzung in der nächsten Folge von Etymo am Samstag.