DER LUIS UND DIE AFD

Donnerstag 24. September 2026

Die sollen draußen bleiben.

Sagt Luis Durnwalder über die AfD.

Zu seinem 85. Jahresfest am 23. September 2026 hatte die „Dolomiten“ ein Doppelseite-Gespräch mit dem alten Landeshauptmann veröffentlicht. Ein schneidiges, aber auch würdiges Interview ganz über den Niederungen der Tagespolitik, aber auch nicht über den Wolken. Da haben die Jüngeren Gelegenheit, einen ebenso scharfen wie praktischen Geist kennen zu lernen, der die Amtsbezeichnung „Landeshauptmann“ noch ausgefüllt hat.

Die Zeitungskonkurrenz von der Silbergasse musste dann auch etwas mit dem „Luis“/„Durni“ bringen. Die Skandaljäger im roten Staatstank waren weniger zimperlich und befragten den hochverdienten Landesvater im Ruhestand gleich nach der AfD und dem von Außenminister Tajani gestreuten Gerücht, dieser bundesdeutschen Partei würde es nach einem Raub Südtirols gelüsten (was AfD-MdB Marc Jongen postwendend zurückwies).

„Durni“ sagte der TZ: Unser Vertragspartner ist Italien, wir wollen keine Grenzen verschieben, sondern in Frieden und Wohlstand leben und die AfD soll sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Vulgo, soll draußen bleiben. Eine Aussage, die 90% Südtirol unterschreibt.

Ach ja, die Deutschen.

Die Zeiten der „Stillen Hilfe“ aus Deutschland sind längst vergessen. Heute werden nicht einmal mehr die deutschen Urlaubsgäste gern gesehen. Die empfindsamen Südtiroler leiden plötzlich akut unter „Overtourism“. Die Deutschen sollten am Besten ihr Geld dalassen und sich für den Rest möglich unsichtbar machen. Als Heiner Geißler oder Horst Seehofer auf SVP-Kongressen in Meran schwungvolle Reden hielten und begeisterten Beifall ernteten, da sagte kein Luis, Sepp oder Franz „Bleibt gefälligst Draußen“.

Jedes Mal, wenn Frank Walter Steinmaier in Südtirol Urlaub machte, war ihm die Sabina (Kasslatter-Mur) die liebste Urlaubsbegleitung. Merkel in Sulden, ein Heiligtum. Dass Ministerpräsident Bodo Ramelow jetzt in Meran eine Wohnung hat, ist hoch willkommen. Nur der gebürtige Lananer Marc Jongen von der AfD muss am Katzentisch Platz nehmen.

Ach ja, die Grenzen.

Wegen „keine Grenzen verschieben“ könnte man den alten Landeshauptmann scheinheilig fragen, warum er damals, zum EU-Beitritt Österreichs,  den Grenzbalken am Brenner so breit lachend in die Höhe stemmte.

Desgleichen möchte man sich fragen, warum die EU bis heute ihre Grenzen im Süden ungeschützt offen lässt, die Grenzen nach Osten aber immer weiter verschiebt und dafür Millionen Tote in Kauf nimmt.

Tatsache bleibt, dass genau diese EU, das damals die Grenzen „überwinden“ wollte und de facto verschob, heute eine ernstzunehmende Gefahr für Frieden und Wohlstand ist und auf einem selbstschädigenden Kurs unbeirrt weiter macht, unter deutscher Führung, nebenbei. Aber zu der Ursula würde sich kein Südtiroler zu sagen getrauen, sie solle dort bleiben, wo sie herkommt und sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern.

Nun, die Anti-AfDler zu bekehren, ist ein vergebliche Liebesmüh. Man sieht das übrigens auch in den Leserbriefseiten der „Dolomiten“, wo eine durchaus bewegte Debatte stattfindet (und dank Redaktion stattfinden darf, Danke dafür).

Die Geschichte ist kein 3D-Drucker

Es sollte halt bald eine etwas weniger aufgeregte Stimmung sich durchsetzen können in der denkenden Bevölkerung. Die europäischen Wähler haben es begriffen und sorgen in Massen dafür, dass endlich eine Alternative zur EU-Kommission geschaffen wird. Weil es bei AfD, Le Pen, Meloni und Vannacci doch um viel mehr geht als um die völlig irrationale Angst, es könnte sich in Europa ein 1921 (Rom) und ein 1933 (Berlin) so identisch wiederholen, als wäre die Geschichte ein 3D-Drucker.