Der Krug ist Symbol geworden.
Sehr verehrte Vertreter der Öffentlichen Medien! Ich möchte sie bitten meinen Artikel zum Tag der Autonomie zu veröffentlichen. Mit Gruss, Steger Christian, Hauptmann Schützenkompanie St. Johann in Ahrn.
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Südtirol ist seit über hundert Jahren zum Brunnen gegangen. Immer wieder. Mit Mut, mit Würde, mit einer unbeirrbaren Sehnsucht nach Selbstbestimmung.
Und erstaunlicherweise ist dieser Krug nie gebrochen, er ist härter geworden.
Er ist zu einem Symbol geworden für ein Volk, das sich nicht beugen lässt. Am Tag der Autonomie feiert die Politik ihren größten Erfolg: Ein Modell, das international Beachtung findet. Ein Statut, das Minderheiten schützt. Ein System, das Stabilität garantiert. Ein Triumph, der in Festreden glänzt und in offiziellen Programmen strahlt.
Doch während die Politik feiert, bleibt eine Frage offen – eine Frage, die nicht laut ausgesprochen wird, aber in den Tälern, in den Dörfern, in den Herzen der Menschen lebt:
Ist Autonomie wirklich das Ideal, das Südtirol wollte?
Ein Land, das mehr wollte, und weiter will, Südtirol hat nie darum gebeten, „teilweise“ selbst zu bestimmen. Südtirol wollte ganz bestimmen. Über Sprache, Kultur, Zukunft. Über das eigene Schicksal.
Die Autonomie war ein großer Schritt. Ein notwendiger Schritt. Ein historischer Schritt. Aber war sie das Ziel?
Oder war sie nur der bestmögliche Kompromiss in einer Zeit, in der das Eigentliche nicht erreichbar war? Heute, am Tag der Autonomie, spürt man beides: Stolz und Sehnsucht.
Dankbarkeit und Unruhe. Erreichtes und Unerreichtes.
Südtiroler Stolz: Der Weg ist nicht zu Ende. Es gibt etwas Idealeres als Autonomie. Etwas Vollständigeres. Etwas, das nicht verwaltet, sondern frei macht. Etwas, das nicht begrenzt, sondern öffnet. Die Politik kann den Tag der Autonomie feiern. Sie soll es. Es ist ihr Werk, ihr Erfolg, ihr Kapitel.
Aber die Menschen im südlichen Tirol? Ob sie diesen Tag wirklich feiern, das bleibt ungewiss. Denn Stolz ist nicht nur Rückblick. Stolz ist Richtung. Stolz ist Zukunft.
Stolz ist das stille Wissen: Der Weg muss weitergehen.
Meint Steger Christian
Hauptmann Schützenkompanie St. Johann in Ahrn