CHOLERA 1836 ENDE

Dienstag 15. September 2026

Das Tagebuch des Johann A. Jordan..

…Fortsetzung und Schluss der Serie „Cholera 1836″

Bis Ende der Epidemie in Meran am 12. Oktober 1836.

15. September. Alles ist gut. Täglich fällt abwechselnd etwas Regen. In den Apotheken ist nicht einmal mehr ein Viertel der Rezepte von früher zu erledigen.

16. September. Offenbar bessert sich alles, selbst von den Gemeinden kommen jetzt bessere Nachrichten.

17. September. Heute schrieb ich meiner Schwester mit Vergnügen nach Innsbruck, daß die Cholera bei uns schon seit sechs Tagen aufgehört habe. Doch spricht man noch immer von Lana und hauptsächlich von Bozen, wo in vier Tagen 90 Personen gestorben sind. In Algund und Mais hat es fast aufgehört, besonders in Algund. Auch in Lana ist es jetzt besser, Algund und Mais werden sich gleichstehen mit zirka 114 Tote, Lana hat fast 100 Tote. Auffallend besserte sich die Lage, wie ich voraussagte, nach dem starken Regen vor fünf Tagen. Es schneite bis auf die Mut herab.

In Marling haben sich alles in allem 86 Sterbefälle ereignet.

18. September, Meran ganz gut, in Mais und Algund wenig Kranke.

19. September. Heute starb in Algund der letzte Cholerist, nämlich der Wildbauer. Er beging dafür auch die Dummheit, zwei Tage an Durchfall zu leiden, ohne den Arzt zu rufen.

20.—24. September. Alles in der Gegend ist gesund und es gibt keine Sterbefälle mehr. Die Vögel treten wieder häufig auf. Merkwürdig ist, daß der Hund beim Bodenmüller in Algund vor den zwei Söhnen, die starben, die Cholera hatte, er wurde plötzlich auf dem hinteren Gestell lahm etc., man machte ihm drei Schnitte über den Rücken und er wurde hergestellt. Auch ist sonderbar, daß in Lana fünf Brüder, die völlig von einander entfernt waren und nichts voneinander wußten, in acht Tagen starben.

30. September. Die Cholera ist wirklich verschwunden. Sie ist ins Passeier gewandert und besonders nach Pustertal.

12. Oktober. Seither hat sich kein Fall mehr ereignet, weder in der Stadt noch in Algund oder in Lana. Alles ist gesund, man redet nichts mehr davon.


QUELLE

Das Seuchentagebuch von Jordan wurde vom angesehenen Heimatkundler Richard Staffler einer breiteren Leserschaft zugeführt in dem Buch: Meran: hundert Jahre Kurort 1836 – 1936 ; Festschrift der alten Hauptstadt des Landes zum hundertjährigen Bestande als Kurort, hrsg. von Bruno Pokorny, 1936, Innsbruck Verlag Wagner. Der Aufsatz nennt sich „Das Cholerjahr 1836 im Burggrafenamte. Von Richard Staffler.“, Seiten 59-68.

Das Manuskript „Die Cholera in Meran und Gegend im J. 1836“ mit der Bezeichnung ß 42/4 erliegt im Meraner städtischen Museum, notiert R. Staffler.

Ermöglicht hat diesen Beitrag die Landesbibliothek Friedrich Tessmann mit der Digitalisierung ihres Bestandes, dafür herzlichen Dank.