Das Tagebuch des Johann A. Jordan.
…Fortsetzung
25. August.
25. August, morgens. In Mais gibt es wieder viele Kranke. So auch in Algund, wo sich die Petetschen (?) zeigen. Es kam auch der Fall vor, daß der Arzt der Winterlehäuserin einen Löffel voll Wein erlaubte, sie wurde augenblicklich matt, Krämpfe stellten sich ein und sie starb nach zwei Stunden. Wenn man der Krankheit genau nachfragt, so zeigt sich fast bei jeden der Toten, daß derselbe einen Fehler beging, entweder hatte er schon Tage lang den Durchfall, ohne daß er etwas verlauten ließ, vermeinend es sei heuer so wie voriges Jahr oder er befand sich im Schweißzustande und ging wie gewöhnlich auf dem kalten Boden zum Abtritt oder er war rekonvaleszent und aß oder trank etwas, das er nicht sollte.
Von der wahren Cholera wurden nur wenige Personen vielleicht, wenn man alles wüßte, gar niemand befallen. Die Krankheit, nämlich die sogenannte Cholerine tritt im ersten Grade mit Durchfall, im zweiten mit Brechen, im dritten Grade mit Grimmen auf. Die echte Cholera tritt mit Krämpfen auf.
Fortsetzung folgt
QUELLE
Das Seuchentagebuch von Jordan wurde vom angesehenen Heimatkundler Richard Staffler einer breiteren Leserschaft zugeführt in dem Buch: Meran: hundert Jahre Kurort 1836 – 1936 ; Festschrift der alten Hauptstadt des Landes zum hundertjährigen Bestande als Kurort, hrsg. von Bruno Pokorny, 1936, Innsbruck Verlag Wagner. Der Aufsatz nennt sich „Das Cholerjahr 1836 im Burggrafenamte. Von Richard Staffler.“, Seiten 59-68.
Das Manuskript „Die Cholera in Meran und Gegend im J. 1836“ mit der Bezeichnung ß 42/4 erliegt im Meraner städtischen Museum, notiert R. Staffler.
Ermöglicht hat diesen Beitrag die Landesbibliothek Friedrich Tessmann mit der Digitalisierung ihres Bestandes, dafür herzlichen Dank.