Zivil-Ing. Jordan führt Tagebuch.
11. August.
Morgens hörten wir, daß die Krankheit heute auch in Basling bei Tscherms ausgebrochen sei, ja etwas später sollen drei Personen in Marling gestorben sein. Durch den Arzt erfuhr ich, daß in Algund zwei Personen gestorben sind. Bis Mittag hörte man nichts. Allein nach Tisch erfuhr ich, daß soeben die gewesene Sattlermeisterin Ploner geborene von Gruber von Lana auf dem Cholerasessel ins Spital getragen worden sei.
Auch in Obermais kamen zwei Fälle vor. Nun wurde dreimal in einer Stunde die Sterbeglocke geläutet und zwar für zwei Personen im Spital sowie für den Spitalmüller.
Die tödliche Erkrankung des letzteren war dermaßen auffallend, daß sich jedermann von der Cholera überzeugte. Der Spitalmüller war nämlich gestern im Badl auf der Töll gewesen, und dann lustig heimwärts gegangen. Als er durch Algund ging, alterierte er sich sehr, dazu beging er noch die Torheit, wegen der Hitze im Spitalbach zu baden, wodurch er sich die Krankheit zuzog.
Nachmittags mußten von den Wiesen drei Menschen nach Hause getragen werden, weil ihnen übel geworden war. In Algund sind wieder einige Personen von der Seuche ergriffen worden. Man wird hier ganz niedergeschlagen. Die Apotheken haben vollauf zu tun, die Gramillen — so viel sie sonst deren hatten — waren fast alle verkauft.
Fortsetzung folgt
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QUELLE
Das Seuchentagebuch von Joh. Anton Jordan wurde vom angesehenen Heimatkundler Richard Staffler einer breiteren Leserschaft zugeführt in dem Buch: Meran: hundert Jahre Kurort 1836 – 1936 ; Festschrift der alten Hauptstadt des Landes zum hundertjährigen Bestande als Kurort, hrsg. von Bruno Pokorny, 1936, Innsbruck Verlag Wagner. Der Aufsatz nennt sich „Das Cholerjahr 1836 im Burggrafenamte. Von Richard Staffler.“, Seiten 59-68. Das Manuskript „Die Cholera in Meran und Gegend im J. 1836“ mit der Bezeichnung ß 42/4 erliegt im Meraner städtischen Museum, notiert R. Staffler. Ermöglicht hat diesen Beitrag die Landesbibliothek Friedrich Tessmann mit der Digitalisierung ihres Bestandes, dafür herzlichen Dank.