Nicht Malz, nicht Heide.
Mals und Malser Heide – Woher diese Namen, was bedeuten sie?
Sprachrätselnd besuchen wir heute die Perle des Oberen Vinschgau, die antike Stadt Mals. Genau, die frühere Stadt, nicht das Dorf, das es heute (noch) ist, obwohl sich das Klima stetig verbessert und die rauen Winter der Vergangenheit angehören.
Drei Dinge muss man kennen: das römische Klimaoptimum, die schiefe, der Sonne zugewandte Ebene der „Malser Heide“, das einstmals reiche Erzvorkommen am Pass del Fuorn und die Tatsache, dass der Fluss Etsch, der vom Vinschgau als Wasserautobahn in die Poebene fließt, bei Mals erstmals schiffbar ist.
Mals bildet zusammen mit Glurns, Müstair, Laatsch, Burgeis, Plawenn und Tartsch eine Art Parallelogramm, ein einzigartiges „Haupt“-Feld in er „rhätischen“ Provinz des Imperiums. Wein und Korn von der riesigen, leicht bewässerbaren, schiefen Ebene, mächtige Baumstämme von Lärchen und Eichen an den nahen Berghängen, Tonnen von Eisen, Kupfer, Zinn und Silber von rundherum, einen Wassertransportweg bis ans Meer vor der Tür, dazu Sonnenschein und frische Brise das ganze Jahr – Reichtum, was willst du mehr?
Diese Kenntnisse machen aus dem ganzen Geviert da oben im Vinschgau ein römisches „Caput“, was Haupt bedeutet. Haupt nicht im Sinn von Schädel, sondern Hauptort und Reiseziel (vgl. Kopfbahnhof). Die Malser „Heide“ hat mit Heide nichts zu tun, denn im Volksmund heißt sie „Hoad“. Hoad ist die Verkürzung von (mhd.) Houbet, (schwedisch Huvud, lateinisch caput = Haupt, Kopf). Der Ort Mals mit seinen Villen und Kultstätten war also eine antike Stadt, ein Zentrum des Bergwerks und des Handels. Der britische Begriff „Mall“ hilft bei der Wortherkunft weiter.
Damit hätten wir die sprachliche Bedeutung von Mals und Heide aus der Römerzeit geschöpft, von der wir wissen, dass meist schon vorhandene Namen in die lateinische Verkehrs- und Schriftsprache übernommen und mit der Zeit vom Volk verwendet wurden.
Wortherkunft von Mals – drei hausgemachte Hypothesen
Wie gesehen kommt der Stadt Mals die Feinverarbeitung der Erze aus den Bergtälern zu. Sie könnte daher auch die „Hammerstadt“ sein, benannt nach „Malleus“ dem Hammer der Schmiede, aber auch der Goldschmiede (vgl. it. „malleabile“, formbar). Von Malleus zu Malles (erste urkundliche Erwähnung) ist der Weg der kürzeste. Auch die Bergspitze ober Mals, die „Malettes“ fügt sich gut ein in das Arbeiten der Erzsucher mit dem kleinen Spitzhammer.
Gleich gut geht der Wortstamm auf „Mall“ im Sinne von Zentrum, Gerichtsstatt (siehe meine Brücke Marling-Marlboro).
Sollte „Mals“ etwas mit einem älteren „Merl“ zu tun haben, dann wäre das ein Hinweis auf „leuchtend, erhaben, vorstehend“. Das wäre durch die Lage und Geschichte der Stadt gerechtfertigt.
Was sagt Pater Sebastian Heinz?
„Mals, ausgedehnte Marktgemeinde und angesehenster Ort in Obervinschgau, an einem leichten Abhang liegend. Urkundlich heißt es 1140, 1150, 1157, 1160, 1163, 1167, 1173, 1186, 1192, 1201, 1220, 1249, 1307, 1322 Malles, 1210 Mallis, 1192,1365, 1390, 1396 Mals, 1322 Males, 1394 Malls und Malles, 1389, 1396 u. s. w. Mals, volksthümlich immer Mals, wobei das doppelte l hörbar wird Das Wort stammt aus dem w. maw = groß, ausgedehnt und w. llys = Wohnung. Aehnlich klingt Mauls in Wippthal, das wir jedoch lieber von maol = Hügel, ais = Haus ableiten möchten. Die Romanen heißen es ohne alle Begründung malum = Mahlstätte.“
(Das Celtenthum in Obervinschgau resp. im Gerichte Glurns; Verlag Auer, Bozen 1895; Hervorhebung von mir; w. = walisisch/welsh; mit „Romanen meint P. Sebastian die Sprachforscher, die rätische Ortsnamen bevorzugt aufs Latein zurückführen wollen)