In Vino Veritas.
Die Vereinigung von Südtiroler Winzern im Eisacktal „eisacktalwein“ (Vereinigung der Eisacktaler Weinproduzenten) hat einen jungen, feschen Obmann („Präsident“) erkoren.
Das macht Freude. Zählen doch die mineralischen Weißen aus dem Talbecken von Brixen zu den besten und traditionsreichsten Weißweinen überhaupt. (Denk nur an Neustift).
Dass ihr Absatzmarkt verstärkt im Süden liegt, wissen die Eisacktaler Winzer. Italien schätzt Rieslinge, Grüne Veltliner, Kerner und Sylvaner ungemein. Von der Mosel bis an die Etsch.
Inspiriert von den nördlichen Noten hat sich eisacktal.wein einen neuen Marketing-Schlachtruf zurecht gelegt. Natürlich ein Superlativ, denn ohne Rekorde, Extreme und Superlative geht heute nichts mehr.
Also wollen sie ihre vorzüglichen Weißeine aus dem „nördlichsten Weinbaugebiet Italiens“ verkaufen.
Sagt’s „Präsident“ Hannes in der Zeitung.
(Auf der eigenen Webseite etwas nobler: „der Republik“, siegte Zitat in der Fußnote).
Und ich Naivling dachte, Südtirol wäre etwas Besonderes.
Hier gibt jemand seine Sonderstellung auf und reiht sich ein in etwas, das tentenziell zu groß ist für ihn. und das alles nur, um den Superlativ „das nördlichste“ zu erhaschen. Was ja nur dann richtig ist, wenn man den Brenner als das Ende der Welt sieht.
Ein Gradmesser für die Politik
Das eine ist das Marketing, sei’s drum. Aber das andere ist die Tiefen-Ebene der ausgesprochenen Gedanken. Die nördlichsten Weine Italiens? Caro Baumgartner, allora italiani veri e propri siete, perbacco!
Wenn ihr euch schon so italienisch fühlt, warum der ganze Hokuspokus um Senatswahlkreise und Autonomie? Perspektivisch kann ja da der Kampf um die Autonomie (Steger, Urzì und Co.) gar nichts mehr anderes werden als eine inneritalienische, versäumbare Sache, die die Jungen nicht mehr juckt.
Zitat Webseite:
„Das Eisacktal kann sich nicht über mangelnde Superlative beklagen: Es ist das nördlichste Anbaugebiet der Republik. Seine Gewächse besitzen in Italien einen Ruf wie Donnerhall.“ (Aus „Südtirols Freie Weinbauern“, Martin Kilchmann, folio Verlag)