BÜROKRATIE IM FASCHISMUS

Dienstag 11. August 2026

Was Mussolini 1926 anordnete.

ALPENZEITUNG, Mittwoch, 11. August 1926 1. Jahrgang.

Erneuerung der Bürokratie

Die in Rom erscheinende „Tribuna“, ein Regierungskreisen sehr nahestehendes Tagblatt, veröffentlicht unter obigem Titel folgenden interessanten Artikel, der ein bemerkenswerter Beitrag zur äußerst lebhaften Debatte über das Problem der Bürokratie ist, das heute die gesamte Presse beschäftigt.

Der im letzten Ministerrat gefasste Beschluss, die drei Jahre der Ernennung definitiven und nicht-definitiven Personales in sämtlichen Zweigen der Staatsverwaltung zu unterbinden, hat nicht nur einen einschränkenden Wert. Diese energische Maßnahme darf nicht nur negativen Wert haben, denn das wäre nicht faschistisch.

Diese Vorkehrung ist dazu bestimmt, eine reine Scheidung von der Vergangenheit zu erreichen und neue Arbeitsmethoden und Arbeitsbeziehungen im ganzen mastodontischen Bürokratieorganismus einzuführen.

Die Regierung hat eine Überprüfung der Organisation in einzelnen Ministerien angeordnet. Man kann aber sagen, dass diese Revision nicht überall energisch und wirksam durchgeführt wurde. […]

Man verhinderte einen Zuwachs von Personal, das in den letzten Jahren in geometrischer Reihe angewachsen war. Man stellte die Vorherrschaft der Regierung über die Allmacht der Bürokratie wieder her, die sich automatisch in der parlamentarischen Anarchie aufgeblasen hatte. Bis jetzt aber haben wir noch keine faschistische Bürokratie.

Damit wird nicht gesagt, dass eine derartige Bürokratie nur regierungstreu sein müsste. Noch weniger darf es eine mit Mitgliedskarten versehene Bürokratie sein, deren Insertionismus manchmal an Disziplinlosigkeit grenzt. Eine faschistische Bürokratie muss vor allem eine mit faschistischen Methoden und faschistischen Fähigkeiten ausgestattete Bürokratie sein, die im Geiste der Regierung arbeitet. Das einzuführen ist wichtig, wird aber auch schwer sein. Aber es muss geschehen.

Das allerrückständigste, schwerfälligste, vielfältigste, energiezerstreuendste sind die alten Arbeitsmethoden und die komplizierten „Dienstwege“, durch die eine Verantwortlichkeit praktisch abgeschafft wird. […] Wenn man bedenkt, dass von Amt zu Amt Briefe geschrieben werden, die ein Konzept, eine Kopie, die Unterschrift des Abteilungsleiters, Protokollierung und die Expedition verlangen, und dass dann im empfangenden Amt die Öffnung der Korrespondenz, wieder eine Protokollierung, ein Brief des Abteilungsleiters, ein Antwortkonzept, eine Kopie der Antwort, eine neuerliche Unterzeichnung, Protokollierung und Expedition notwendig ist, und dass alles das, wenn es sein müsste, auf ein Phonogramm beschränkt werden könnte, muss man eingestehen, dass man sich einem Phänomen veridioteten Willens gegenüber befindet.

Die Bürokratie muss durch Stenographie, Telephon und Verantwortlichkeit der einzelnen Beamten […] geändert werden. […] Faschistische Bürokratie muß also eine Erneuerung der Bürokratie nicht nur in ihrem Personal, sondern auch in ihren Methoden bedeuten.

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