DIE DEUTSCHE BAHN

Mittwoch 8. Juli 2026

Bescheidenheit ist neue Zier.

Es war eine Nacht im Juni 2026 als alle Züge in Deutschland stillstanden. Nicht im Gedenken an vergangene Glanzzeiten deutscher Technik, sondern aus Versagen.

DB, Deutsche Bahn, Die Bahn, Debakel.

Die Ursache war ein missglückter Eingriff im Rechner, der den ganzen Funkverkehr zwischen Zugführern und Leitstellen stemmt. Der Grund für das unglaubliche Totalversagen aber ist der technologische Zentralismus.

Evelyn Palla, die aus Bozen gebürtige Chefin der Deutschen Bahn (DB), hatte es am Tag nach dem Offenbarungseid der Firma eilig, in der BILD einen Artikel zu platzieren, in dem der völlig unerwartete Herzinfarkt vor aller Augen als Ergebnis früherer Fehlplanung eingeordnet werden sollte.

In diesem sehr aufschlussreichen Beitrag der BILD konnte nun jeder nachlesen, was die politische und betriebliche Führungsriege so alles angestellt und verbrochen hatte, seit die westdeutsche DB mit der ostdeutschen Reichsbahn zusammengelegt worden war, damals nach der Wende.

Erster Akt: Die Bahn wird scheinprivatisiert. Voll im Besitz des Bundes, also der Politik, ist sie jetzt eine AG und wird privatwirtschaftlich geführt. Was allenfalls das Dienstrecht verändert, aber nicht die politische Misere, sichtbar an der Besetzung der Spitzenposten durch die Gnade der Regierungsparteien.

Zweiter Akt: Die Geschäftsführung glaubt, ein europaweiter „Player“ im Bahngeschäft werden zu können und setzt die Prioritäten auf „Cargo“, den Lastenverkehr. Eine größenwahnsinnige Luftnummer, typisch für den Rausch der Wiedervereinigung und die Euro- bzw. EU-Begeisterung.

Dritter Akt: Aufgrund der gigantischen Fehlallokation fällt der Personenverkehr und das Schienennetz immer weiter zurück. Die Bahn wird Synonym für Unpünktlichkeit, mangelnden Service und Baustellen. Die Manager geben sich die Klinke in die Hand.

Nun soll es die Palla richten …und wird mit einem Totalausfall eingeführt. Zwar kommt ihr das großmundige Managerdeutsch mit all seinen Hohlitäten flott über die Lippen, aber wenigstens gibt sie die unvermeidliche und richtige Botschaft: Die Bahn muss sich gesundschrumpfen und umstellen. Weg mit Cargo, hin zum Dienst am Bahnkunden, der ein Reisender ist. Bahnfahren soll wieder Freude machen.

Evelyn Palla wird es nicht leicht haben. Sie wird es schon lernen, nicht nur die Bahn, sondern auch das Marketing-Deutsch und Polit-Chinesisch auf eine etwas bescheidenere Sprache umzustellen. Die Negativ-Schlagzeilen werden sie trotz des guten Willens noch lange begleiten. Auf sie wartet die Sisyphos-Kugel eines unrentablen, aber gesellschaftlich notwendigen regionalen Bahnverkehrs. Auf sie wartet die europäische Konkurrenz, gierig, im größten Land der EU die Sahne von der Milch abzuschöpfen (dazu eigener Beitrag).


Bild-Ausschnitte im Beitrag von BILD.de, mit Dank.