STEININGERS MISSDEUTUNG DER FEUERNACHT

Dienstag 16. Juni 2026

Die Anschläge waren nicht sinnlos.

Zum 65. Jahrestag der Feuernacht vom 11. Auf den 12. Juni 1961 gibt die „Dolomiten“ dem emeritierten Historiker Rolf Steininger wieder einmal breiten Raum, um die These von der Kontraproduktivität der Strommasten-Sprengungen zu reiten. Seine Deutung: Die Südtirol-Autonomie ist nicht wegen, sondern trotz der materiellen Gewalt zustande gekommen. Darunter liegendes Axiom: Gewalt führt nirgendwohin.

Wieder versucht der Historiker mit Hilfe einer Flut von Einzel- Aussagen diverser Exponenten im fraglichen Geschehen seine Missdeutung aufrecht zu halten.

Warum Missdeutung?

Abgesehen vom empirisch falschen Axiom und den polemischen Spitzen, die Steininger den Tirolern in die Schuhe legt, während er die italienische Diplomatie in zartes Rosarot kleidet, besteht seine Analyse aus einem Trick.

Das Bemühen von Steininger besteht nämlich darin, festzuhalten, dass die Urheber der Südtirol-Anschläge gar nicht die Autonomie wollten, sondern die Rückkehr Südtirols zu Österreich.

(Und weil das nicht eingetreten – Trick! – voll daneben lagen).

Natürlich wollten alle Aktivisten die Einlösung des UN-Prinzips der Selbstbestimmung, was die Wiedervereinigung Südtirols  mit Österreich bedeutete. Das war ja seit 1945 der hunderttausendfach bezeugte Volkswille. Natürlich haben alle gesehen, wie geschickt Italien den neuen demokratischen Status mißbrauchte, um die Brennergrenze zu halten. Schon allein das war Grund genug, um die Hände nicht in den Schoß zu legen.

Die Tatsache, dass das Maximalziel nicht erreicht wurde, ist aber kein Nachweis dafür, dass die ganze Aktion „sinnlos“ war, wie es Politiker Alfons Steiner (2015) meinte.  Diese isolierte Aussage macht der Historiker Rolf Steininger zur „Pietra tombale“, zum Grabschlussstein, indem er schreibt: „Mehr ist dazu nicht zu sagen“.

O doch! Sagen wir es mit einem Gleichnis.

Das Ringen um Südtirol ist zu vergleichen mit einem Mann, der am Rande des Nachbarfeldes eine ganze Kiste frisch geernteter Äpfel an sich nimmt, die Kiste auf sein Fahrrad bindet und davon fahren will. Die Bauern eilen herbei und stellen den Mann zur Rede. Der denkt nicht daran, die Äpfel herauszurücken und sagt, sie gehörten ihm. Da rütteln die Bauern kräftig an seinem Fahrrad. Natürlich wollen sie ihn zu Fall zu bringen. Natürlich wollen die Bestohlenen ihre Kiste zurückhaben, und zwar die ganze.

Allein, der Rüttler zu wenig. Der Dieb schlenkert kurz und versteht seine Lage. Geistesgegenwärtig wirft er beim Davonfahren ein paar Äpfel ab. Die Bestohlenen stürzen sich über die abgeworfenen Äpfel. Sie ziehen es vor, sich mit den heruntergeworfenen Äpfeln zufriedengeben, denn die mittlerweile herbeigerufene Polizei schaut auf die andere Straßenseite. Der Dieb hat eindeutig bessere Beziehungen zum Bürgermeister als die Bestohlenen. Die Kiste ist weg.

So also ist die Moral von der Geschicht‘: Hätt‘ niemand gerüttelt, gäb’s gar keine Äpfel nicht. So wenigstens eine Handvoll.

Mehr ist dazu nicht zu sagen…

Halt, doch: Ein zweifaches Danke. Danke für das große Opfer, das so viele Menschen in diesem ungleichen Kampf um das nationale Lebensrecht erbracht haben. Danke aber auch an die verständigen Leute der Gegenseite, die es nicht aufs Äußerste haben ankommen lassen.

P.S.

Historiker mögen gut sein als Archivare. Zu besseren politischen Analysten und Deutern des Weltgeschehens werden sie allein durch ihr Akten-Wissen nicht. Auch weil Geschichte nur einmal abläuft und es nicht zu entscheiden ist, was gewesen wäre wenn …und wenn nicht. Zu Steininger und Feuernacht siehe auch den Blog-Beitrag „Terrorist Kerschbaumer“.