Folge 7: Die Wasserwege.
In dieser historia phantastica haben wir die gewaltige Ausbreitung der Keltenvölker auf die systematische Nutzung der Wasserstraßen zurückgeführt. Hier noch einmal die entscheidenden Gedanken. Plus Fortsetzung.
Die Wasserwege
Flüsse so groß wie Autobahnen werden der Königsweg dieser Kelten nach West-Europa sein. Die Donau, eine mächtige «Autobahn», führt vom Herzstück der antiken Welt direkt nach Mitteleuropa. Von hier aus ist der Rhein die Autobahn in den Nordwesten. Die Wolga und die Elbe sind die Autobahnen in den hohen Norden Europas.
Der Kelten bevorzugter Verkehrslauf ist die Donau. Nachdem sie im Karpatenbogen die Kunst der Erzgewinnung und Verhüttung gelernt hatten, trieb es die Kelten immer weiter die Donau flußaufwärts nach Westen, wo man von einem mächtigen Gebirge (Alpen) gehört hatte, einem El Dorado der Erzgewinnung.
In Wien, am Scheitelpunkt der Alpen, trennen sich die Wege. Die ersten und sozusagen schnelleren Keltenvölker kommen über Donau und Inn an die Nordseite der Alpen und gründen Niederlassungen (Hallstadt-Kultur).
Die Keltenvölker im nördlichen Voralpenland strömen (wortwörtlich!) dann weiter über den Rhein nach Frankreich («Gallien») – ein schiefes Rechteck mit der Wasserstraßen-Diagonale Rhone Loire Seine.
Die «Autobahn» Rhone weist den Kelten den Weg nach Südwest in Richtung Pyrenäen und Iberien. Sie breiten sich im Rücken der Basken und andrer Ex-Sahara-Völker wie den Phöniziern aus (Galizien = Land der Gallier), und sie verfestigen sich in den Westalpen (Schweiz, Savoyen).
Links des Rheins bleiben Baden, Schwaben, Bayern, Tirol, Salzburg und Oberösterreich ihre Hauptdomäne. Weiter hinauf nach Nordosten wollen sie nicht, weil es da keine Gebirge und folglich (aus ihrer Sicht) keine Erze gibt. Diese Waldgebiete werden von den sog. «Germanen» besetzt. Ein keltisches Wort, das Nachbar bedeutet, Mit diesen Nachbarn wollen die Kelten möglichst wenig zu tun haben.
Andere Keltenvölker wiederum gelangen über Kärnten und Friaul an die Südseite der Alpen. Es sind die „langsameren“ und späteren, da sie im Bereich Kärnten Friaul nicht von Fluss-Autobahnen unterstützt werden.
Die Wasserbrücken Innichen und Finstermünz
Der Keltenforscher und Sprach-Archäologe F. J. Mone hat in seinem so gründlichen wie unbeachteten Werk von 1856 eine Stelle, in der Tirol vorkommt (meine Hervorhebungen und Klammern). Und die bestätigt, wie geschickt die Flusswanderungen der Kelten angelegt waren.
§290.
Die Gallier [Kelten] auf dem Continente waren ein Binnenvolk […]. Darum geschah ihre Einwanderung zu Lande von Osten nach Westen, und zwar nach dem Laufe der Flüsse, die sich von Westen und Nordwesten in das schwarze Meer ergießen. Die gallischen [keltischen] Ortsnamen im Stromgebiete der Donau sind dafür beachtenswerth, besonders jene der Gebirgspässe, welche dieses Stromgebiet mit anderen verbinden, wie der Paß Innichen, der Uebergange von der Drau in das Etschthal.
Denn während dieser Paß einen gallischen [keltischen] Namen hat, zeigt der Uebergangspunkt von der Etsch zum Inn den wälschen [keltischen] Namen Finstermünz, und ebenso der Arlberg vom Inn- zum Rheinthal.
Diese beiden belgischen [keltischen] Pässe führen von Helvetien längs der Etsch in die Niederung an das adriatische Meer, das Land der Heneter oder Veneter, […].
Die Kelten haben sich in Europa bis zur Zeitmarke -1000 überall ausgebreitet, wo es Wald, Wasser und erzhaltige Höhen gibt.
Der Zuzug in klimatisch und topografisch günstige Lagen beginnt, ein Wettbewerb zu werden unter den Populationen.
Die Gebiete mit den mächtigen Seen am Nordrand der Alpen vom Balaton über Hallstadt, Chiem, bis Genf sind keltisch besiedelt, die großen Flussläufe sowieso (Inn, Donau, Rhein, Rhone).
Jetzt aber lockt ein neues „Amerika“: Die südlichen Voralpen-Gebiete am Rand der Poebene sind ein Paradies für Kelten.
Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Die phantastische Geschichte der Kelten. Folge 8: Die Poebene.