SCHÖNE UKRAINE-FRAUEN IM MAMMING

Freitag 5. Juni 2026

Literatur mit Haltung.

Im Meraner Museum Palais Mamming werden schöne Ukraine-Frauen aus ihren Gedichten und Romanen vorlesen. Ins Auge sticht Sofia mit einer wirklich eindrucksvollen Fotografie, zu sehen in der Ankündigung eines literarischen Vereines aus Lana, der den Lese-Abend im Mamming ausrichtet.

Oder sollte man lieber Haltungsabend sagen? Das männliche Introitum klingt leider ganz danach. Am Samstag, 6. Juni, wird der Abend vom emeritierten Grünen-Politiker und Historiker Hans Heiß eröffnet. Heiß wird mit einem Historiker-Kollegen sprechen. Der Herr wird vorgestellt als «Träger des Friedenspreises 2025». Der, Zitat: «steht seit vielen Jahren wach auf der Seite der Ukraine». Soso. Das Gespräch mit dem Friedensmann beginnt um 18 Uhr. Ab 20 Uhr gibt es Literatur von Sofia, Halina und Olena. Drei Kostproben geben die Veranstalter schon einmal preis.

(1)

„am schlimmsten ist
dass man nach dem Alarm
weiter Suppe kochen muss“

(2)

„wir kaufen Brot und Milch
als gäbe es ein Morgen“

(3)

„der Krieg vermindert den Abstand von Mensch zu Mensch
von der Geburt zum Tod“.

Nun ja. 

Beim Abstand von Mensch zu Mensch weiß ich nicht. Als Freund Russlands und als Freund der leidgeprüften Ukrainer ganz unten auf der Skala habe ich in meinem Umfeld die Erfahrung gemacht, dass der Krieg den Abstand von Mensch zu Mensch nicht vermindert, sondern vergrößert, sogar bis zum Abbruch von Freundschaften. 

Aber beim Abstand von der Geburt zum Tod, da ist der Krieg tatsächlich so grausam verkürzend, dass die lyrische Einkleidung nicht mehr als eine bittere Banalität ist. 

Zumindest kürzt der Krieg bei der einen Hälfte der Ukrainer. Die andere Hälfte ist in den Westen oder nach Russland ausgewichen. Die ärmere, weniger clevere Hälfte steckt in der Heimat fest und lässt sich den Abstand zwischen Geburt und Tod von den eigenen Oligarchen und den plakativen Betrügern in der Regierung arg vermindern. 

Da warte ich lieber auf eine Ukraine-Lyrik, die weniger von «Suppe» handelt und vor allem weniger verbal-deutsche Haltung hat, dafür aber mehr Ernst – wie in den «Stahlgewittern».

Überhaupt gibt es eine ganze Menge aufstrebender russischer Dichter, die zur Zeit konfiniert sind, und sich eine Einladung nach Meran durchaus verdienen würden. 

Zum Beispiel: Alla Gorbunowa, Andrej Sen-Senkow, Sergei Zawyalow, Nikita Sungarew, Nikita Safonow, Kirill Kortschagin, Stanislaw Lwowsky, Oleg Paschenko, Danila Dawydow, Oksana Wasjakina, Igor Wischnewetski und viele mehr. (Danke an Elena Dimow und die University of Virginia für den Hinweis.)