O DU HEILIGER KAFÄ!

Donnerstag 30. April 2026

Wir haben sie unmöglich gern, die «Frauen».

Eigentlich ist es eine ganz normale Ratssitzung in Sand im Pustertal. Sie wird von Amts wegen aufgezeichnet. Bürgermeister Josef Nöckler von der regierenden Bürgerliste will sparen und schlägt für eine Gemeindeeinrichtung einen schlanken Verwaltungsrat vor, zwei Männer, eine Frau, wie vorab besprochen. Da wirft, im Audio schlecht zu hören, jemand von der SVP-Opposition etwas ein. Die Zeitungen schreiben: «Zwei Frauen und ein Mann!».

Muss dir was erzählen

Jetzt steigt der Bürgermeister: «Du, i sog dir oans! I hon die Frauen unmeiglich gearn (kurzes Männergelächter im Hintergrund), unmeglich gern», sagt und betont er im breiten Töldrar Dialekt. ABER! Bevor er zu seinem Hauptargument kommt, dass die Verwaltungsarbeit leidet, weil Frauen öfters ausfallen, unterbricht er sich selbst und sagt: «Ietz derzeil i dir wos!» Da hat sich was aufgestaut, das heraus muss. Jetzt. «I bin zem ietz in Boazn drin gwässn, in Lontog». Bürgermeister Nöckler hatte bei einem Landesamt in Bozen einen Termin um 10 Uhr vormittags. Von Sand bis Bozen sind es zwar nur 90 Kilometer, aber eine Stress-Ewigkeit. Von der Empfangsdame wird er angewiesen zu warten, bis einer der drei Schalter frei werde, dahinter alles Frauen. 7 bis acht Leute warten. Die Frauen im Schalter 2 «sein olleweil ban Redn». Dann stehen sie auf und sagen, sie gehen jetzt einen Kaffee trinken. «Naa, naa, i bin do! Entschuldigung! Um Naine heb es ån, miar kemmen fan gonzn Lond doher und um zehn vour Zehne geat es Kafä trinkn?» protestiert der Bürgermeister. Ja, das täten sie immer, «von mir lossn si si nix sogn».

Das letzte spitzige Satzl hat dem Bürger und dem Meister den Rest gegeben. «Von dir lass ich mir nix sagen» – in so eine Lage begibt Mann sich nicht gerne. Auch als Bürgermeister nicht, der Frauen unmöglich gern hat.

Die Wahlfreiheit

Um von den eigenen Feministen nicht durchs Dorf getrieben zu werden, will der Bürgermeister noch unterbringen, dass es für die Frauen selbst und auch für einen reibungslosen  öffentlichen Dienst besser wäre, wenn Frauen statt brüchiger Teilzeitarbeit eine ordentliche soziale  Absicherung erhalten, damit sie den Beruf Mutter wählen können – nur wählen bitte, kein Muss. (Sinngemäß wiedergegeben, das  Audio im Original vom Gemeindenverband HIER).

Rosa SiPo schlägt zu

Doch zu spät. Die Frauenwacht schlägt sofort zu. Hochrot und streng. Von Bozen aus. Die Mehr-Als-Gleich-Stellungs-Rätinnen der Provincia/Provinz gehen vor die Presse. How dare You? Die größte Sorge der amtlich ernannten Sittenwächterinnen scheint nicht das Wohlergehen von Frauen und Familien zu sein, sondern dass sie do Peppe zurück ins Mittelalter katapultiert: «zurück in eine Zeit, in der Frauen in der Öffentlichkeit und im Berufsleben kaum wahrgenommen wurden», so Donna Mazzardis und Frau Oberhammer aus der TZ.

Ihnen folgen zitzeleweis politisch korrekte «Stakeholder»-innen. In der TZ taucht sogar ein Baukollegium auf, zu zweit (Initiative „She Builds“). Keine Massenbewegung, im Bild ist wieder die Oberhammer. Ein weiteres Duo, Anna Künig und Lia Vontavon von der Jungen SVP, die wollen auch ihr Rosa Moment am Josef haben und belehren den «rückschrittlichen» Mensch, man schreibe das Jahr 2026 und nicht 1950. Hätte der nie gewusst.

Held wider Willen

Wirklichkeit steht über Gezeter. Der Bürgermeister hat erstens nur eine sattsam bekannte Realität geschildert und zweitens einen Lösungsvorschlag vorgebracht, nicht aus 1950 und nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Zukunft.

Dessen Richtigkeit wird die öffentliche Meinung wohl erst gegen 2050 entdecken, wenn das Sperrfeuer der knallroten und rosaroten Hosenanzüge als Mode aus Luxus-Zeiten nicht mehr als eine Erinnerung ist, von der man sagen wird, wie konnten wir nur. Aber bereits heute und sofort bekommt unser unfreiwilliger Held an der Genderfront überwältigend viel Zustimmung von ganz normalen Frauen und Männern: Evviva Nöckler!