JOURNALISMUS IST KEINE GARANTIE

Mittwoch 22. April 2026

Es geht um Pfründe, nicht um Wahrheit.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass eine staatlich geprüfte Journalistin zum „Fake“-behafteten Mittel des Populismus greift, um zu erklären, dass die Zeitung-schreibende Zunft eine Qualitätsgarantie gegen die Fakes im Netz sei.

Denn erstens unterschlägt der Kommentar*, dass es im Netz auch seriöse Angebote gibt mit Leuten, die „ihr Gesicht“ zeigen und (wie alle) rechtlich haftbar sind, und zweitens unterschlägt er, dass auf der Seite der Zeitungsmacher und Qualitätsmedien eine regelrechte Epidemie wütet, nämlich das voneinander Abschreiben. Die ungeprüfte Übernahme von Agenturmeldungen gehört auch in dieses Fach. Geistiges Kopieren mag zwar unvermeidlich sein, um den täglichen Ausstoß zu schaffen, aber genau deshalb ist es kein Garant für mehr Verlässlichkeit.

Das populistische Moment im Kommentar ist die an den Anfang gestellte Feststellung, dass KI und publizistische Freiheit im Netz jede Menge an Fantasie und folglich auch Täuschung freisetzen. Eine Feststellung, die ungeteilte Zustimmung erheischt und sofort bekommt („Jo, gell!“). Am Ende des kurzen Kommentars wird erst die Absicht der Spieleröffnung enthüllt.

Es geht gar nicht um eine Begutachtung des Journalismus im Netz, sondern um die Entlohnung der Berufsschreibenden in den Redaktionen; genauer gesagt, die zurzeit umkämpfte Erneuerung des Tarifvertrages der FNSI-Journalisten – und jener immer noch großzügigen Bedingungen, die aus der Zeit stammen, als die großen politischen Parteien in Italien sich ihre Parteizeitungen und folglich auch ihre Journalisten hielten.

Dieses System war weniger der Wahrheit als vielmehr dem Interesse oder, wie man heute sagt, dem Narrativ verpflichtet. Im Staatsfunk, beschönigend öffentlich-rechtlich genannt, ist es ungebrochen.

Nichtsdestotrotz hat der seriöse Journalismus seinen Wert und gehört ordentlich entlohnt, dort, wo er einen Mehrwert erzeugt. Dieser Mehrwert kann durchaus auch in Zeitungen stattfinden, und nicht nur der Betäubung dienen, sondern auch der Wahrheit, aber dafür müssen die Zeitungen und der staatliche Rundfunk sich neu qualifizieren.


*  Anlass zu dieser Betrachtung gibt das „Vorausgeschickt“ in der „Dolomiten“ heute 22 April 26 von Brigitta Willeit mit dem Titel: Wem und was können wir noch glauben?


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