CARBONARA DAY AGAIN

Montag 6. April 2026

6. April ist Carbonara-Tag. Fix mit Sahne.

Nudeln mit Ei und Speck. Passt gut für heute Ostermontag. Dieses anglosaxon-alpine Gericht mit einem Hauch von Roma città aperta soll laut Umfrage die beliebteste Pasta der Italiener sein, meldet die österreichische Presse-Agentur APA zum Carbonara-Tag 2026 und liefert gleich den ganzen römischen Märchen-Mist von Pecorino ohne Sahne und Guanciale dazu, einschließlich einer falschen Erstnennung von 1939. Als Restaurant-Gericht taucht die Carbonara erstmals 1952 auf – in Chicago!

Aber so devot italophil sind sie halt, die Wiener. Und nicht nur die. Den ungefähr 9jährigen Buben einer bundesdeutschen Urlauber-Kleinfamilie hörte ich zufällig beim Osterspaziergang in Lana laut und deutlich das Wort «Pecorino» sagen, nachdem sein Vater das Stichwort «Carbonara» ausgegeben hatte. Es gefällt den Deutschen über alles, so exakt und gehorsam über das Original Bescheid zu wissen – Ihr wisst schon: Sahne streng verboten, nur Eidotter, Pecorino, Nudelwasser und Guanciale.

«Nix mit Schale», sage ich mit Cossu (YT-Shorts, Link ganz unten).

Die Carbonara ist tatsächlich Nationalgericht in Italien, aber die Köhler-Romantik drumherum ist nur ein Feigenblatt, das die wahre Entstehung dieser Ei-Speck-Spaghetti verhüllen soll.

Die erste Carbonara

Im befreiten Rom von 1944 haben Alliierte Soldaten einem Wirt aus der Patsche geholfen; brachten ihm Eipulver, Dosenmilch und Dosenschinken (Bacon) vorbei, weil sie die Kriegs-Nudeln, wahrscheinlich in leicht ranzigem Pflanzenöl geschwenkt, das sich die Würze von einem Rest von ausgelassenem Speck (Lardo) und etwas Pfeffer holte, so ziemlich ungenießbar und widerlich fanden. Als die Spaghetti mit der Zugabe von Speck, Sahne und Ei dann wie ein englisches Frühstück schmeckten, waren die  Amis begeistert.

Auf Youtube: 40 Italian Food Lies You Still Believe

(Carbonara No. 13 Start 9:55 End 10:45)

Sonderkapitel: Die italienische Sahnophobie

Ganz Gastro-Italien jault entsetzt auf und reagiert äußerst ungnädig, wenn irgendein Promi-Koch auf der Welt es wagt, die Eisoße für die Carbonara mit Sahne (Rahm) zu verfeinern. Das hat einen ganz bestimmten Grund, der tiefenpsychologisch mit dem berühmten freudianischen Motiv des Wunsch-Mordes am Vater zu erklären ist.

Bei der Kriegsgeburt der Carbonara musste das Eipulver der GI’s  logisch mit der Evaporated Milk von Carnation verflüssigt werden, um eine halbwegs cremige Konsistenz zu erreichen.

Copyright: © IWM. Original Source: http://www.iwm.org.uk/

Photo from the Imperial War Museum – Evaporated Milk tin from WW2 – used to supply safe whole milk for soldiers and civilians alike. It also served as a component in baby formula and a substitute for cream and eggs in household cooking, while the U.S. military provided it to troops and allies.

Diese Kondensmilch ist die Erbsünde der Carbonara. Beweis und Inbegriff der fremden Herkunft – ein Ding, das kein Italiener auf sich sitzen lassen konnte, ein Geburtsmakel, der unbedingt ausgemerzt werden musste. Freilich setzte die kosmetische Operation erst später ein und erreichte in den 1990er Jahren ihren Apex.

Noch in den 1960ern meinte die Bibel der italienischen Cuisine „La Cucina Italiana“ die Carbonara mit Sahne und „formaggio di gruviera“ bereiten zu müssen – klar, sie folgte der anglosaxo-alpinen Spur, denn alles an der Carbonara – bis auf die Hartweizen-Nudeln selbst – mutet höchst nordisch und alpin an und so gar nicht römisch-mediterran.

Übrigens, den lustigsten Sketch zur Carbonara liefert ein farbiger Schwabe, Cossu Schwarzwaldbande, auf You Tube Shorts, HIER.

 

Meine früheren Artikel zur Carbonara

 

NATIONAL CARBONARA DAY

ORGOGLIO CARBONARA