Die deutsche Schufa bemisst Kreditwürdigkeit neu in „Score“.
In ihren Berichten zur neuen Methode der Schufa, die Bonität anzuzeigen, verwendet die BILD (Deutschlands sprachmächtiges Medium) durchgehend den Begriff «score», als ob man das Wort zusammen mit Hänsel und Gretel im Kindergarten lernen würde.
Selbstredend verwendet auch Madame Schufa das oder den «Score» für den Punktestand der Bonität einer Person, die von der Schufa bei Auskunft mitgeteilt wird.
Wortkritik
Die Schufa ist zwar ein Privatunternehmen, aber doch gleichzeitig eine deutsche Institution. So wird jetzt ein amerikanischer Sportausdruck zum inneren Bestandteil der deutschen Sprache gemacht. Dabei ist das Wort eine reine Mode, ein Denglismus mit etwas kolonialem Beigeschmack. Wozu ein neuer Begriff? Nix. Früher wurde die Bonität in Prozenten angegeben, jetzt in Punkten. Und der Punktestand, der heißt jetzt «Score». Damit wir wissen, wo Deutschland kulturell hingehört, gell.
Wortgebrauch
«Die Schufa weiß, wie viel Vermögen oder Einkommen jemand hat. Wenn ich oft Online-Bestellungen zurückschicke, ist das negativ für meinen Score – also den Index, der anzeigt, wie kreditwürdig ich bin. Eine Schufa-Selbstauskunft verschlechtert den Score.» (BILD.DE, Sparfochs Frank Ochse, 18.09.2025)
Wortgeschichte
Die Etymo von «score» ist faszinierend. Skor (von PIE sker schneiden) bedeutet altnorwegisch Kerbe, Schnitt auf einem hölzernen Zählstab, mit dem in alter Zeit je zwanzig Stück Vieh «eingetragen» wurden. Die Zwanzig als (Skor-) Einheit ist noch im Französischen lebendig z.B. bei der Zahl 80, die quattre-vingt (vier mal zwanzig) heißt. Ein Kulturerbe der Kelten/Gallier übrigens. Die Bedeutung Punktestand bei einem Sportspiel kam erst ab 1870 in Gebrauch.
Wortzukunft
Bleibt «Score» der deutschen Sprache erhalten, kann oder wird es – auch im Einklang mit seiner Geschichte – durchaus als «Skor» weiterleben.
Hinweis
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