Oder die Geburt Europas aus dem Geiste der Kelten. Folge 1: Von woher Europa besiedelt wurde
In Anlehnung an Friedrich Nietzsches Titel „Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ möchte ich eine längere Gedankenwanderung machen in das „keltische Substrat“ Europas (nach F.J. Mone und P. Sebastian Heinz), und zwar eine Wanderung in mehreren Folgen.
Natürlich ist das hier eine historia phantastica oder «fantastoria», also phantastische Geschichte und keine populärwissenschaftliche Zusammenschau von geprüften Ergebnissen aus Urkundenforschung und Archäologie – die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Meine «fantastoria» ist eine freie und romanhafte Erzählung, bestehend aus wenigen, aber sicheren Tatsachen, viel Vorstellungskraft und einer Prise Archäo-Logik à la «kombiniere, Watson».
Von woher Europa besiedelt wurde
Schon während der letzten großen Eiszeit haben Menschen in Europa gelebt – ungefähr so, wie die Grönländer unserer Zeit. In dem Maß, wie sich alles erwärmte, floss das Wasser ab und wanderten Pflanzen, Tiere ein. Mit ihnen kamen schließlich (nach den Neandertalern) auch neue Menschen ins grünende Land.
Die Schubkraft dieser ersten großen Besiedlungswelle in das auftauende Europa ergab sich aus dem Gebiet des vertrocknenden Grünlandes in Nordafrika – heute die Wüste Sahara. Als Zeitraum für diese Großbewegung veranschlagt meine «fantastoria» großzügig einige tausend Jahre, sagen wir -12.000 bis -6.000. Dabei sollen uns übliche Einteilungen wie Pähistorie, Stein-, Bronze- und Eisenzeit überhaupt nicht kümmern.
Die meisten Völker der grünen Sahara dürften den Bogen nach Osten gemacht haben und die Wasserkulturen von Ägypten am Nil und Babylon im Zweistromland aufgebaut haben. Dort sind sie sesshaft geworden und haben mit Keilschrift und Hieroglyphen die ersten schriftlichen Zeugnisse hergestellt. Auch Äthiopien gehört dazu, das sich als Kultur markant vom restlichen Afrika unterscheidet.
Für die schrittweise Besiedelung Europas gab es drei Einfallstore. Im Südwesten Europas setzen Sahara-Menschen über die Meerenge von Gibraltar nach Iberien. Bootsfahrer nutzten das Sprungbrett Lampedusa, und besiedelten die Stiefel-Halbinsel und die großen Inseln Sizilien, Sardinien und Korsika. Hier könnten die nicht-indogermanisch sprechenden Basken im Westen und die rätselhaften Etrusker auf der italischen Halbinsel die Reste dieser Einwanderungswelle sein.
Im Südosten Europas sehen wir Anatolien wie einen riesigen Flugzeugträger, der am Bosporus andockt, mit vorausfahrenden Booten und Schiffen – die ägäischen Inseln, Zypern, Kreta. Alles zusammen die Rampe vom Orient nach Europa. Von ehemaligen Saharavölkern könnten hier die minoische und die mykenische Kultur herstammen, die beide vom indogermanischen Sturm begraben wurden. Noch ist die Stunde der Kelten nicht gekommen.
Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Die phantastische Geschichte der Kelten. Folge 2: Die Indogermanen kommen