ETYMO AM SAMSTAG | KORBINIAN UND VILPIAN – ZUFALL?

Samstag 4. April 2026

Irische Namen auf -AN. Irische Mission, 3. u. letzter Teil.

In den vorangegangenen beiden Folgen von Etymo am Samstag haben wir die Irische Mission in Kerneuropa ab dem Jahr 600 beleuchtet und dabei das Prinzip der kulturpolitischen Homöopathie herausgearbeitet. Es besagt, dass die Christianisierung auf dem europäischen Festland und insbesondere im erweiterten Alpenraum deshalb so glatt vonstatten ging, weil die irischen Wanderprediger als Kelten zu den Einheimischen als Kelten einen bevorzugten Draht hatten. Am Beispiel von Kolumban, Feirgil, Gallus und Korbinian sehen wir auch, dass aus den Bekehrern sesshafte und wirkmächtige Protagonisten in ihrem jeweiligen Radius wurden.

Der Wikipedia-Autor meint zwar, der Einfluss der Iren sei versäumbar (siehe weiter unten), doch allein schon die Vitae der genannten Heiligen zeigen etwas ganz anderes, und zwar mehr als nur eine lokale Akzeptanz oder Integration. Korbinian ist das Paradebeispiel: Er wird heimisch im (romanisierten) Keltenland Sytirol.

Die Namen auf -AN

Von Kolumban bis Korbinian fällt bei den Iren die Namensendung auf AN auf, seht diese keltischen Namen an: Cormán, Aidan, Finnian, Eoban, Corbinian, weiblich Feirgils Schwester Eireann. Von den „Zwölf Aposteln Irlands“ aus der Catholic Encyclopedia stechen die -AN Namen der Iren regelrecht heraus:

Ciarán von Saigir, gestorben um 530

Ciarán von Clonmacnoise, gestorben um 545

Brendan von Birr, gestorben 573

Brendan von Clonfert, gestorben 577

Columban von Iona, gestorben 597

Columban von Terryglass, gestorben 552

Mobhí von Glasnevin, gestorben 544

Ruadhán von Lorrha, gestorben 584

Senán von Iniscathay, gestorben 560

Ninnidh von Lough Erne

Lasserian mac Nadfraech, gestorben 564

Cainnech von Aghaboe, gestorben 598

Aus dieser Rose von keltischen Namen ist stark anzunehmen, dass es sich bei der irisch-keltischen Wortendung -AN nicht um ein von den Römern gelerntes lateinisches Suffix handelt, wie z.B. beim römischen Namen Julian, sondern um eine autochthone irisch-keltische Sprachwurzel.

Geheimgang ins Etschtal?

Für meine etymologia fantastica legt das eine neue Spur hinein in unsere Etschländer Ortsnamen, die so häufig und charakteristisch auf -AN enden, und deren lateinisch-römischen Wortursprung ich sehr stark bezweifle: Das sind Ortsnamen wie Baslan, Schennan, Vilpian, u.v.m. – besteht etwa zwischen diesen römisch klingenden Ortsnamen, angeblich von Personen abgeleitet, und den irischen Heiligen-Namen eine unterirdische Verbindung – im Sinn von Pater Sebastians „Substrat“? Ist herauszufinden.

Abschließend zur Irischen Mission

Der Wikipedia-Artikel „Irische Mission“ urteilt so nebenbei ziemlich antikeltisch: „Insgesamt zeigt sich, dass die Bedeutung irischer Mönche als Missionare im kontinentalen Europa des 7. Jh. begrenzt war.“ Auch sprachgeschichtlich lasse sich „kaum mehr als das Lehnwort Glocke plausibel auf eine irische Herkunft zurückführen – und selbst hier erscheint eine vulgärlateinische Herkunft wahrscheinlicher“, schreibt Wikipedia.

Pater Sebastian und ich sind da anderer Meinung, beim heiligen Korbinian!


Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Die phantastische Geschichte der Kelten