Eine sprachliche Ungerechtigkeit von politischer Bedeutung.
Wiedervorlage nach einem Jahr wegen permanenter Aktualität.
Immer wieder taucht in Südtirol ein ungleiches Wortpaar auf. Wenn die italienische und die deutsche Volks- oder Sprachgruppe genannt werden, heißt es hier „italienisch“, dort aber „deutschsprachig“ und nicht „deutsch“, wie es richtig und kongruent wäre.
Aktuell hier: „Don Mario Gretter übernimmt die italienische Pfarrei Heilig Geist und die deutschsprachigen Pfarreien St. Nikolaus und St. Georg“ („Dolomiten“, 8 apr 25, Meraner Seite, Artikel von Luise Malfertheiner, fett meine Hervorhebungen).
Wo bleibt die Gleichberechtigung?
Die ungleiche Wortpaarung ist in autonomiepolitischer Hinsicht geradezu skandalös: Die in Südtirol gesetzlich verankerte und viel beschworene Gleichberechtigung der Sprachen Italienisch und Deutsch ist hier aufs Deutlichste missachtet. Ausgerechnet die von der Autonomie geschützte Landessprache Deutsch bekommt mit dem Anhängsel „-sprachig“ den geringeren Status. Und das, im vorliegenden Beispiel, von einer Schreiberin, die sonst penibel auf „Gleichstellung“ achtet – aber halt nur bei der politischen Kategorie Frau.
Abgrenzung zu bundesdeutsch ist kein Argument
Entweder sagt man italienisch und deutsch oder aber italienischsprachig und deutschsprachig. Das ungleiche Attribut ‚deutschsprachig‘ wird wohl herangezogen, weil, ‚deutsch‘ als ‚bundesdeutsch‘ verstanden werden könnte, und deutsche Südtiroler halt keine Bundesdeutschen sind. Nun hat die Bundesrepublik aber kein Monopol auf das Attribut Deutsch, ebenso wenig wie die Republik Italien das Exklusivrecht auf Italienisch als Sprache und Lebensart hat. Italienisch ist z.B. eine der vier Staatssprachen in der Eidgenossenschaft Schweiz (CH).
Einfach deutsch
Und Deutsch ist eine der drei Landessprachen Südtirols. Es gibt hier, ganz auf dem Gebiet der Republik, deutsche Schulen, deutsche Zeitungen, deutsche Parteien, deutsche Pfarreien, deutsches Essen und deutsche Ortsschilder. Einfach, nicht?