In den Namen unserer Kultstätten lebt das das römische Christentum fort.
In der letzten Folge hatten wir die Namengebung der ersten christlichen Kirchen in Sytirol auf den römischen Personenkult der späten Kaiserzeit zurückgeführt, nachdem der Christus-Kult zur alleinigen Staatsreligion erhoben worden war. Hunderte von Heiligen und Märtyrern der neuen Staatsreligion wurden auf die alten, heidnischen Weihestätten und Kult-Orte Ortsnamen drauf gesetzt. Unser Vinschgau und Burggrafenamt, Bozen und Überetsch sind ein ideales Beobachtungsfeld für diese Kulturrevolution.
Unsere ersten Kirchen – eine römisch-hellenistische Parade
An der Via Claudia Augusta, der Römerstraße vom Keltenland in der Poebene (Gallia Cisalpina) nach Rhätien (Hauptstadt Augsburg = Augusta Vindelicorum), häufen sich römische, hellenistisch-asiatische und phönizisch -afrikanische Heilige aus dem Imperium Romanum. Wir begegnen fast schon exotisch anmutenden Namen wie Prokulus (Naturns), Ägidius (Schlanders), Sysinius (Laas), Medardus und Karpophorus (Tarsch), Pankraz (Ultental), Kosmas und Damian (Siebeneich), Hippolyth (Naraun). Wir finden klassisch imperiale Namen wie Maurus (Moritzing, Ulten), Laurenz (Lana), Justina (Bozen), Valentin (Obermais, a. d. Heide), Vitus und Apollonia (Sirmian), Anton (ein ägyptisch/syrischer Name!, Marling), Sebastian (Eppan). Aus der Spätzeit des Imperiums kommen dann populäre Namen dazu wie Katharina (Hafling), Agatha (Lana), Georg (Schenna), Nikolaus (Ulten), Martin (Passeier, am Kofel), Christophorus (Tisens), Benedikt (Mals). Klassisch, aber selten geworden die Heiligennamen Vigilius (Joch), Blasius (Morter), Severin (Völlan), Quirin (Bozen), Zeno (Missian) und andere mehr.
Biblische Namen eher die Ausnahme
Beachtenswert ist, dass die biblischen, also jüdischen Namen aus dem engsten Umfeld von Jesus Christus in der Zeit der römischen Kulturrevolution nicht dominieren und allenfalls selektiv eingesetzt werden. Zum Zug kommt der Kirchengründer Petrus (St. Peter, Gratsch), auffallend weniger der „Chefpropagandist“ Paulus (St. Pauls. Eppan – ursprünglich St. Peter!), gerne der biblische Jakob (Grissian) sowie Anna, Elisabeth und Magdalena aus der engsten Gefolgschaft und Familie Jesu, überraschend weniger in dieser frühen Epoche die (Gottes-)Mutter Maria und die Evangelisten Markus, Johann, Lukas, Matthäus.
Vom frühesten Mittelalter an gelangen nordeuropäische Heilige bzw. Kirchen-Namen in unsere Gegend. Dazu mehr in der nächsten Folge.
Nächste Folge von ETYMO AM SAMSTAG: Unsere Kirchenheiligen bis zur Neuzeit.