DIE FOIBE | ITALIEN GEDENKT SEINER VERTRIEBENEN

10. Februar 2026

Symbol dafür sind die «Foibe», Massengräber der besonderen Art. Eine heikle Geschichte.

Italien gedenkt der Vertriebenen aus Istrien und Dalmatien am 10. Februar. Symbol dafür sind die «Foibe». Eine Foiba ist eine Karsthöhle. Massengräber der besonderen Art. Das Gebiet rund um Triest ist voll davon.

Die historischen Ereignisse

Traurige Berühmtheit haben diese Foibe erlangt, als die kommunistischen Partisanen noch im Mai, Juni und Juli 1945 die Reste der besiegten Achsenmächte zu Tausenden umbrachten und viele davon in diese Gruben stießen.

Die Opfer waren deutsche Wehrmachtssoldaten, italienische Salò-Kombattanten, Fascio-Funktionäre, slowenische Kollaborateure, kroatische Nazis, aber auch unbeteiligte Italiener, dern einziges Vergehen es war, an der falschen Küste geboren zu sein.

Mit den Massakern setzte ein Flüchtlingsstrom ein. Die alteingesessenen italienischen Familien in Istrien und entlang der dalmatinischen Küste packten ihre Sachen und flüchteten vor den Tito-Kommunisten hinüber in das von den US-Soldaten befreite Italien. Eine ansehnliche Zahl dieser Vertriebenen ließ sich übrigens in Bozen nieder.

Die Geschichte ist noch nicht vorbei

Voriges Jahr (2025) malten kroatische Nationalisten mit roter Sprühfarbe Sprüche gegen die Italiener auf den Straßenbelag : «Trst je nas» (Triest ist unser) und «Smrt fasizmu, svoboda narodom» (Tod dem Faschismus, Freiheit für die Völker). Schauplatz war Basovice (Basovizza), eine Fraktion von Triest, wo Italien ein Denkmal für die Getöteten über einer Foiba hatte errichten lassen. Im Stiefel selbst sorgt die staatliche Erinnerung an die Foibe am 10. Februar regelmäßig für Stunk zwischen Linken und Rechten. (siehe auch „Die Foibe“ auf dekas.blog vom 10. Feb. 2025)

Der verheimlichte Bürgerkrieg

Nach dem Krieg herrschte in Italien 50 Jahre lang eisernes Schweigen über die Massaker der Foibe.

Die Linksparteien verhüllten, dass zusammen mit den jugoslawischen auch italienische Partisanen und Kommunisten die eigenen Landsleute niedermetzelten, als der Krieg schon vorbei war. Weit über den famosen 25. April 1945 hinaus, teils bis in den Juli 1945 hinein, gab es Rachegemetzel an den Salò-Faschisten, in Ferrara zum Beispiel, aber auch in Triest und Umland, dort in Verbund mit den Jugoslawen.

Die Rechtsaußen Italiens durften nicht groß gedenken, weil die Foibe ganz klar die Vergeltung für italienische Untaten unter dem Faschismus auf dem Balkan waren, von denen in Italien nach dem Krieg niemand mehr wissen wollte.

Kompromiss: Gedenken an Vertriebene aus Istrien

Erst die Mitte-Regierung Berlusconi hat ab 1994 die Aufarbeitung der Foibe-Massaker zugelassen und gefördert.

Um die Wunden der politischen Spaltung nicht wieder aufzureißen, einigten sich die Parteien darauf, im Zeichen der Foibe der großen Vertreibung der Italiener aus ihrer dalmatinischen Heimat zu gedenken. Daraus ist dann der 10. Februar als «Giorno del Ricordo», Tag der Erinnerung, entstanden.

Und die Vertriebenen Deutschlands?

Der italienische Foibe-Gedenktag am 10. Februar wirft übrigens die Frage auf, warum Deutschland und die Deutschen nicht längst schon zu einer gleichen Würdigung ihrer Vertriebenen aus Ostpreußen und Schlesien gefunden haben.

An den Untaten kann und sollte es nicht liegen, denn die Italiener haben in Griechenland und auf dem Balkan nicht minder gehaust* als die Deutschen im Osten.


Titelbild: Faschistische Stele in Lanan. Foto dege

* hausen bedeutet wüten. Mehr sytirolish im SÜDTIROLER DIALEKT WÖRTERBUCH