TUTTI ITALIANI SIAMO

21. Mai 2025

Merans neuer Bürgermeister verweigert die Trikolore. Tennis-Star Jannik Sinner spricht zuhause deutsch. Italien steht Kopf.

Plötzlich berühmt

Oh Katharina, jetzt bist du die berühmteste Bürgermeisterin Italiens! Diese Sache wird dir ewig nachhängen. Malheur! Ganz Italien ist entsetzt und versteht nicht, wie eine städtische und akademisch gebildete Südtirolerin, die soeben das Bürgermeisteramt ihrer Heimatstadt Meran errungen hat, und zudem Tochter von Senatoren der Republik ist, bei der Inauguration (ein informeller Akt) die italienische Trikolore abweisen kann.

Oh Katharina, du bist mein Ideal  Oh Katharina, dich gibt es nur einmal…“ (Die Klobnstoaner Musi)

Das Wahlplakat hat’s schon angekündigt: Mit der Zeller ist nichts unmöglich – tutto è possibile!

Zweiter Schauplatz

O Jannik, du bist der beste Tennisprofi der Welt, aber nicht mehr Italiens uneingeschränkter Liebling! Seit du die Einladung des Staatspräsidenten ausgeschlagen und die des neuen Papstes Leo angenommen und dabei gesagt hast, zuhause sprechen wir deutsch, das sei verständlich, seitdem disst man dich sogar in höchsten Kreisen. Ein maßgeblicher, in den römischen Salons gefeierter Links-Intellektueller namens „Konrad“ (Corrado Augias) hat deinem Vater sein armseliges Italienisch verspottet und dich einen „italiano riluttante“ und „italiano per caso“ geheißen (Ja, das sind wir Südtiroler, seit 1920, und hoffentlich noch lange hin).

Italia über alles

Katharina Zeller in Meran ist 39, Jannik Sinner aus Sexten ist noch viel jünger. Es scheint auch die junge und die jüngste Generation von Südtirolern nicht verschont von Demütigungen und Beschimpfungen zu sein, wenn sie ihre natürliche Identität als deutsche Tiroler durchblicken lassen. Der italische Leviathan jakobinischer Prägung heult dann regelmäßig auf und wird zum medialen Tsunami. In einem Schwall von hochpathetischer Rhetorik (Giorgia) bis hin zu Posts à la Antrax wird „Italia über alles“ dekliniert.

Tiefer Kotau: „Italien mein Vaterland“

Die arme (per modo di dire) Neo-Borgomasterin Katharina hat nach diesem chauvinistischem Tohuwabohu den tiefst möglichen Kotau, ja einen unbeschreiblichen Kniefall vor Rom gemacht: „L’Italia, la mia patria“ und „la nostra repubblica“ flossen ihr wie Honig aus der Feder. Verständlich, sie will leben. Denn bei change.org (Marco Zorzi) läuft bereits eine Petition, um sie abzusetzen, und Innenminister Piantedosi könte unter Druck kommen.