80 Jahre Südtiroler Volkspartei (SVP): kernige Basis, bollwerkige Spitzen.
Die gute alte SVP gibt es noch. Sie gedeiht unverwüstlich auf Graswurzel-Ebene, ganz gleich was die Spitzen oben tun und sagen. Diese unkaputtbare Volks-SVP an der Wurzel ist es, welche das deutsche und das ladinische Südtirol genauso wie das zart heranwachsende italienische Südtirol noch lange braucht. Genau das ist bei der 67. Landesversammlung im Kurhaus von Meran wieder einmal ziemlich deutlich geworden. Frohe Gesichter, klare Symbole, bunte Fahnen, Menschen wie du und ich. Sie alle geeint im Willen zu bestehen.
Erster kleiner Schönheitsfehler ist ein Regierungsmitglied (Gesundheitslandesrat) in der ersten Reihe, von dem öffentlich wurde, dass er kein Mitglied der Partei ist (inzwischen eingetreten?) und von dem man über die Zeitung erfährt, dass er die Tiroler Landeshymne, das Lied vom Andreas Hofer, nicht mitsingt. Das nur am Rande.
Als es zu den Hauptrednern kommt, kommt es leider auch zu hohlen Worten. Zum Wesenskern seiner Politik muss SVP-Spitzen- und Landeshauptmann Arno Kompatscher das Prinzip Hoffnung walten lassen: Jetzt etwas zum Fortgang der Autonomie zu sagen wäre „kontraproduktiv“. Kernanliegen der Partei abgedreht.
Dann kommt Parteiobmann Steger bollig daher mit seiner SVP als „Bollwerk der Mitte“. Hohl, weil seine SVP mit den Italo-Rechten im Bett liegt. Weil auf Landes- und Staatsebene der Polit-Humus offensichtlich dünn ist, weicht Obmann Steger vollmundig auf die Geopolitik aus und plappert der Urschel, Merz, Söder und Meinl hinterher. Was wieder anzeigt, wie konformistisch sich die SVP-Leitung stets der großdeutschen Wetterlage unterordnet.
Zu allem Überfluss muss auch noch Parteisekretär Harald Stauder sein Geschick als Wortspender („Logomat“) in die Auslage stellen. „Wir“, setzt er an ( – immer dieses verdammte “wir“, wer ist überhaupt “wir“? – ) „wir sind nicht Besserwisser, sondern Bessermacher“, lobt er – sich selbst. Ganz schön Bollwerk, ich meine aufgeblasen.
Note
Übrigens berichtet mittlerweile auch die Tribuszeitung („Neue Südtiroler Tageszeitung“) hofmännisch bis weihrauchig von der Versammlung. Die „Dolomiten“ (Papierausgabe vom 24. März 2025) lässt die SVP gewohnt tragend und würdevoll leben wie seit jeher, berichtet diesmal vielleicht eine Spur sachlicher und kritischer. Der Stol.it danke ich für das Artikel-Foto.